In Algerien haben am elften Freitag in Folge Zehntausende Menschen in mehreren Städten für politische Reformen und gegen Machtmissbrauch demonstriert. Die Demonstrantinnen und Demonstranten forderten, dass nach dem Rücktritt von Präsident Abdelaziz Bouteflika auch die übrige Regierung um Übergangspräsident Abdelkader Bensalah ihre Ämter verliert. Sie skandierten "jeder muss gehen" und "Bande der Diebe, ihr habt das Land ruiniert".

Im Stadtzentrum der Hauptstadt Algier versammelten sich Protestierende mit Landesflaggen. Sie verlangten, die ehemaligen Verbündeten Bouteflikas vor Gericht zu stellen. Zugleich wandten sie sich auch gegen Armeechef Ahmed Gaïd Salah. Dieser hatte in dieser Woche versprochen, die Armee werde die Korruption bekämpfen. 

Die wochenlangen Proteste hatten sich ursprünglich gegen die Kandidatur von Bouteflika für eine fünfte Amtszeit gerichtet. Der 82-Jährige hatte das größte afrikanische Land 20 Jahre lang regiert. Seit einem Schlaganfall trat er nicht mehr in der Öffentlichkeit auf. Übergangspräsident Bensalah gilt als Bouteflikas Weggefährte. Neuwahlen in Algerien sind für den 4. Juli angesetzt. Bensalah selbst darf bei der Präsidentschaftswahl nicht kandidieren.