Der frühere britische Außenminister Boris Johnson hat seine Ambitionen auf die Nachfolge Theresa Mays an der Spitze der Konservativen bekräftigt. "Natürlich werde ich dafür kandidieren, Premierminister zu werden", sagte Johnson. Der Brexit-Befürworter gilt nach dem Rückzug Mays als Favorit für den Spitzenposten bei den Tories.

Die britische Premierministerin hatte angekündigt, den Parteivorsitz zum 7. Juni abzugeben. Bis ihr Nachfolger feststeht, will May als Regierungschefin im Amt bleiben. In der Partei ist es üblich, dass der gewählte Parteichef auch immer Anspruch auf den Posten des Regierungschefs hat, sofern die Konservativen wie aktuell die Regierung stellen.

Im Hinblick auf den Brexit plädierte Johnson für einen Austritt Großbritanniens zu dem bislang geplanten Termin am 31. Oktober – mit oder ohne Abkommen. Er denke aber nicht, dass es zu einem No Deal komme, sagte er. Um ein gutes Brexit-Abkommen zu erhalten, müsse man allerdings auch bereit sein, den Verhandlungstisch zu verlassen und sich auf eine Situation ohne Abkommen einzustellen. Er wolle dafür sorgen, dass Großbritannien einen "fantastischen" Freihandel mit der EU hat, aber auch ein "Meister" im globalen freien Handel werde. Die größte Gefahr für den britischen Wohlstand sei nicht der Brexit, sondern Oppositionsführer Jeremy Corbyn.

Der Labour-Chef wiederun begrüßte Mays Entscheidung und forderte Neuwahlen. "Wer auch immer der neue Chef der Konservativen wird, muss das Volk über die Zukunft unseres Landes entscheiden lassen, und zwar über eine rasche Parlamentswahl", sagte Corbyn. Die Konservative Partei sei zu zerstritten, als dass sie das Land regieren könne, und im Parlament herrsche eine Blockade.

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon rechnet nach Mays Rücktritt ebenfalls nicht mit einer handlungsfähigen Regierung. "Ihr Abschied wird das Brexit-Chaos, das die Tories verursacht haben, nicht lösen", schrieb die SNP-Politikerin auf Twitter. Das könne nur ein zweites Referendum. Auch Sturgeon forderte Neuwahlen.

David Cameron lobt Mays Rede

Der frühere Premier David Cameron lobte Mays "starke und mutige" Abtrittsrede. "Ich weiß, wie schmerzhaft es ist, zu akzeptieren, dass deine Zeit abgelaufen ist und ein neuer Anführer erforderlich ist", teilte Cameron auf Twitter mit. Er hoffe, dass der "Geist des Kompromisses" auch nach Mays Rücktritt fortbestehe.

Die Liste der möglichen Nachfolger von Theresa May ist lang. Neben Johnson werden etliche weitere Kandidaten gehandelt, von denen viele ebenfalls eine strikte Linie beim Brexit vertreten. Auch der zurückgetretenen Ministerin für Parlamentsfragen, Andrea Leadsom, sowie Außenminister Jeremy Hunt werden Ambitionen nachgesagt.