US-Präsident Donald Trump und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin haben in einem gemeinsamen Telefonat über die Lage in Venezuela und die Russland-Untersuchung des FBI geredet – erstmals seit der Bericht von Sonderermittler Robert Mueller dazu veröffentlicht wurde. Trump sprach im Anschluss vor Reportern von "einer guten Unterhaltung über viele Dinge". Er habe mit Putin die Erkenntnisse aus dem Bericht erörtert. Eine Warnung an die russische Regierung, sich bei der nächsten US-Wahl nicht einzumischen, habe er aber nicht ausgesprochen.

Mueller hatte fast zwei Jahre lang untersucht, ob das Wahlkampfteam des damaligen Präsidentschaftskandidaten geheime Absprachen mit Vertretern Russlands getroffen hat und ob der US-Präsident die Justizermittlungen hierzu behinderte. Der FBI-Ermittler und sein Team stießen dabei auf "zahlreiche" Kontakte zwischen Trumps Wahlkampflager und Vertretern Russlands. Beweise für eine Straftat fanden sie aber nicht. Trump sieht sich durch den vor Kurzem veröffentlichten Abschlussbericht des Ermittlers von allen Vorwürfen entlastet – auch wenn es Mueller explizit offen ließ, ob dem Präsidenten Justizbehinderung angelastet werden kann.

"Trumps Prioritäten sind haarsträubend"

Regierungssprecherin Sarah Sanders argumentierte später, von Trump sei im Gespräch keine Warnung vor neuen Einflussversuchen auf die Wahl 2020 gekommen, weil er dies schon in der Vergangenheit deutlich gemacht habe. "Er muss das nicht alle zwei Sekunden tun", betonte sie. Trump selbst twitterte, er habe mit Putin unter anderem über "den russischen Schwindel" gesprochen. "Wie ich immer gesagt habe, lange bevor die Hexenjagd begonnen hat, ist es eine gute Sache, mit Russland, China und jedem zurechtzukommen, keine schlechte Sache."

Vor Reportern sagte der US-Präsident, Putin habe sich amüsiert über Muellers Schlussfolgerung gezeigt. "Er sagte so etwas wie, dass es als Berg begann und als Maus endete", so der Republikaner. "Aber er wusste das ja, weil er wusste, dass es keine Absprachen gab."

Der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, zeigte sich bestürzt über Trumps Aussagen und den Verlauf des Gesprächs. Angesichts "umfassender Beweise" in Muellers Report, wonach "Russland unsere Wahlen gehackt" habe, hätte der US-Präsident Putin unter Druck setzen müssen. "Trumps Prioritäten sind haarsträubend und untergraben die Demokratie."

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump sich in Bezug auf Russland öffentlich anders äußert als Mitglieder seiner Regierung. Der Republikaner sieht sich seit dem Wahlkampf Vorwürfen ausgesetzt, er verfolge einen zu russlandfreundlichen Kurs und hege große Bewunderung für Putin. 

"Putin will, dass etwas Positives passiert"

Nach Darstellung von Trump-Sprecherin Sanders telefonierten die beiden Staatschefs etwas mehr als eine Stunde miteinander. Auch der Kreml bestätigte das Gespräch, das nach Moskauer Angaben rund anderthalb Stunden dauerte. Das Telefonat sei auf Initiative der USA zustande gekommen, hieß es. Gesprochen wurde nach Angaben beider Präsidialämter auch über Handelsfragen, die Ukraine, Nordkorea, die atomare Abrüstungskontrolle sowie den Konflikt in Venezuela.

Hierzu sagte Trump, Putin sei "überhaupt nicht bestrebt", sich in dem Land einzumischen. Doch wolle der Kremlchef sehen, dass "etwas Positives für Venezuela passiert". Trump fügte hinzu: "Mir geht es genauso. Wir möchten humanitäre Hilfe (ins Land bekommen). Im Moment hungern die Menschen, sie haben kein Wasser, sie haben kein Essen." Dem Kreml zufolge habe der russische Präsident betont, dass die Venezolaner die Zukunft ihres Landes selbst bestimmen sollten und eine Einmischung von außen dies untergraben würde – was als kritische Aussage zum US-Kurs verstanden werden kann. 

In der kommenden Woche wollen nun US-Außenminister Mike Pompeo und sein russischer Amtskollege Sergeij Lawrow am Rande eines Ministertreffens des Arktischen Rats über die Venezuela-Krise sprechen. Das Treffen des Gremiums, das sich unter anderem mit dem Umweltschutz am Nordpol und dem Klimaschutz befasst, beginnt am Montag in der nordfinnischen Stadt Rovaniemi.

Zuvor hatte Pompeo in einem Telefonat mit Lawrow der Regierung in Moskau vorgeworfen, Venezuela zu "destabilisieren". Lawrow wiederum beschuldigte Washington einer "zerstörerischen Einflussnahme" in dem Land und des Völkerrechtsbruchs. Vor dem Telefonat hatte Pompeo eine militärische US-Intervention in Venezuela als "möglich" bezeichnet, wenn diese "erforderlich" sei. Er fügte aber hinzu, seine Regierung hoffe, dass es eine friedliche Lösung geben könne.