Bei der Europawahl zeichnet sich im Vergleich zur vergangenen Wahl in mehreren Mitgliedsstaaten eine höhere Beteiligung ab. In Deutschland hatten bis 14 Uhr etwa 29 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Das teilte der Bundeswahlleiter mit. Bei der Wahl vor fünf Jahren hatte die Beteiligung zu diesem Zeitpunkt bei 25,6 Prozent gelegen.

In Frankreich lag die Beteiligung am Sonntagmittag bei etwa 19 Prozent, wie das Innenministerium mitteilte. Vor fünf Jahren waren es um die gleiche Uhrzeit 15,70 Prozent gewesen.

In Spanien gingen nach Angaben der Wahlbehörde bis 14 Uhr 34,63 Prozent der 37 Millionen Wahlberechtigten zu den Urnen. Zum selben Zeitpunkt waren es bei der vorherigen EU-Wahl nur 23,87 Prozent. Bereits bei der spanischen Parlamentswahl Ende April war die Wahlbeteiligung mit mehr als 75 Prozent sehr hoch.

In Ungarn hatten nach Angaben der Wahlkommission in Budapest um 11 Uhr etwa 17,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Vor fünf Jahren waren es zur selben Zeit nur 11,5 Prozent gewesen. Wahlforscherinnen und -forscher gehen davon aus, dass es der Regierungspartei Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orbán gelungen ist, in den ländlichen Gebieten mehr Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren als bisher. Ungarn ist seit 2004 EU-Mitglied und nahm im selben Jahr erstmals an einer Europawahl teil.

In der Slowakei zeichnet sich nach inoffiziellen Schätzungen von Medien und Parteien eine Wahlbeteiligung von 20 Prozent ab. Das wäre die bisher höchste Beteiligung, die es in dem Euroland bei einer Europawahl jemals gegeben hat. Vor fünf Jahren gingen nur 13 Prozent der slowakischen Stimmberechtigten zur Wahl. Das war der bisher niedrigste Wert, den ein Land bei einer Europawahl erreichte. Auch bei allen anderen bisherigen Europawahlen, bei denen die 2004 der EU beigetretenen Slowaken mitentscheiden durften, war das Land mit 17 (2004) und 19 Prozent (2009) im EU-weiten Vergleich das Land mit der niedrigsten Wahlbeteiligung. 

Deutlich höhere Wahlbeteiligung in Polen

Auch in Rumänien lag die Wahlbeteiligung nach einer Zwischenbilanz deutlich über der vor fünf Jahren. Sechs Stunden nach Öffnung der Wahllokale hatten bis 12 Uhr etwa 19 Prozent der Wähler abgestimmt – 2014 waren es bis zu dieser Uhrzeit nur 12,4 Prozent gewesen. Im Ausland standen Rumänen vor Konsulaten Schlange, um abzustimmen. Der Trend gilt als schlechtes Zeichen für die Parteien der sozialliberalen Regierungskoalition, vor allem für den vorbestraften Parteichef Liviu Dragnea. Es wird erwartet, dass seine Partei ihn stürzt, wenn sie schlecht abschneiden sollte.

Auch in Polen hatten fünf Stunden nach Öffnung der Wahllokale bis zum Mittag 14 Prozent der Wähler abgestimmt – etwa doppelt so viele wie 2014. Damals hatte die Wahlbeteiligung zu diesem Zeitpunkt nur bei 7,31 Prozent gelegen. Insgesamt hatten in Polen vor fünf Jahren knapp 23,3 Prozent der Wählerinnen und Wähler abgestimmt.

In Dänemark hatte bis Sonntagmittag bereits knapp jeder vierte der Wahlberechtigten seine Stimme abgegeben. Die Beteiligung lag drei Stunden nach Öffnung der Wahllokale nach Stichproben der Nachrichtenagentur Ritzau bei 24,7 Prozent. Zum selben Zeitpunkt waren es bei der vorherigen EU-Wahl 20,3 Prozent gewesen.

Ein Grund für den Anstieg der Wahlbeteiligung in Dänemark ist, dass diesmal mehr Dänen vorab per Briefwahl abgestimmt haben. Ihr Anteil wird von Ritzau zusammen mit den morgendlichen Wählern in die vorläufige Beteiligung miteingerechnet. 2014 hatte die Wahlbeteiligung in Dänemark am Ende 56,3 Prozent betragen, nach einem Höchstwert von 59,5 Prozent im Jahr 2009.

Auch aus Zypern und Kroatien wurden leicht höhere Zwischenstände zur Wahlbeteiligung gemeldet als vor fünf Jahren. In der Republik Zypern gingen nach Angaben der Wahlkommission in Nikosia bis zum Mittag (11 Uhr) 19 Prozent wählen – das entspricht einem Prozentpunkt mehr als vor fünf Jahren zu dieser Zeit. In Kroatien waren es bis 11.30 Uhr 9,9 Prozent – zwei Prozentpunkte mehr als 2014 zur selben Zeit.

Stabile Beteiligung in Italien

In Lettland, wo bereits am Samstag abgestimmt worden war, lag die Beteiligung nach Angaben der Wahlkommission in Riga bei 33,51 Prozent – und damit ebenfalls leicht höher als 2014 (30,24 Prozent). In Malta, wo die Wahl ebenfalls schon zu Ende ist, stimmten nach Angaben der Wahlkommission 72,6 Prozent der Wählerinnen und Wähler ab. Das ist etwas weniger als 2014 (74,8 Prozent).  

Kaum Veränderung zeigt sich bisher in Italien: Dort stimmten bis 12 Uhr etwa 15 Prozent der Wahlberechtigten ab. 2014 war die Beteiligung zu der Zeit mit 16 Prozent minimal höher gewesen. Die Wahllokale öffneten um 7 Uhr und schließen um 23 Uhr. Erst danach werden offizielle Ergebnisse erwartet.

In Deutschland sind die Wahllokale bis 18 Uhr geöffnet. Erste Zahlen zur Wahlbeteiligung werden für den Nachmittag erwartet.

Gegen 20.15 Uhr soll ein erstes europaweites Stimmungsbild feststehen. Erst wenn die letzten Wahllokale geschlossen haben, dürfen amtliche Wahlergebnisse bekannt gegeben werden. Um 23.15 Uhr veröffentlicht das Europaparlament eine erste Hochrechnung, in die offizielle Endergebnisse und vorläufige Ergebnisse aus den meisten der 28 EU-Staaten einfließen.