Nach Vergeltungsdrohungen aus China im Handelsstreit mit den USA blickt US-Präsident Donald Trump auf den G20-Gipfel in Japan am 28. und 29. Juni. Dort will er sich nach eigenen Angaben vom Montag mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping treffen, um sich über die Handelsfrage auszutauschen. "Das wird, denke ich, wahrscheinlich ein sehr ergiebiges Treffen", sagte Trump. "Wir handeln mit ihnen. Wir haben eine sehr gute Beziehung."

Unterdessen teilte der US-Präsident mit, dass er noch nicht entschieden habe, ob er die kompletten Einfuhren aus China mit Sonderzöllen belegen wird. "Eine Entscheidung ist nicht getroffen worden", sagte er am Rande eines Besuches von Ungarns Premierminister Viktor Orbán am Montag in Washington. Die USA hätten aber das Recht dazu, fügte er an.

Am Wochenende war der Streit zwischen den USA und China weiter eskaliert. Die Regierung Trumps hob am Freitag die Sonderzölle auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar aus China von bisher zehn auf 25 Prozent an. Begründet wurde der Schritt damit, dass China versucht habe, in den Gesprächen über ein gemeinsames Handelsabkommen nachzuverhandeln. "Wir waren zu 95 Prozent durch", sagte Trump. Dann sei seinen nach China gereisten Unterhändlern gesagt worden, dass es noch einmal um Dinge gehen sollte, die bereits komplett besprochen worden seien.

Trump kündigt Hilfe für Landwirte an

China reagierte daraufhin mit der Ankündigung weiterer Strafabgaben. Ab Juni sollen zusätzliche Abgaben auf amerikanische Waren im Volumen von 60 Milliarden Dollar gelten. Die Regierung in Peking setzte sich damit über eine Warnung des US-Präsidenten hinweg. Er hatte das Land aufgefordert, von "Vergeltung" abzusehen.

Wegen der angekündigten Vergeltungsmaßnahmen Chinas sprach Trump zuletzt auch von einem Ausgleich, den US-Landwirte erhalten sollten. Die Farmer leiden unter Absatzschwierigkeiten, wenn China nicht in bisherigem Maße Agrarprodukte aus den USA abnimmt. Die Ausgleichszahlungen seien aus US-Sicht nur ein kleiner Teil dessen, was die USA durch die Zölle gegen chinesische Einfuhren gutmachten.

Fed-Banker Rosengren bringt Zinssenkung ins Gespräch

Von der US-Notenbank kommen unterdessen Signale, die als Beruhigungsversuch gedeutet werden können. Nach den Worten von Fed-Mitglied Eric Rosengren verfügten die Währungshüter über alle notwendigen Instrumente, um angemessen auf die Folgen des Zollstreits mit China zu reagieren. Dazu gehörten auch Zinssenkungen, sollte es zu einer wirtschaftlichen Abkühlung kommen, sagte der Chef der Notenbank von Boston am Montag. Er gehe aber nicht unbedingt davon aus, dass ein solcher Schritt notwendig sei. Rosengren deutete weiter an, dass sich die derzeitige Haltung der Fed nicht unbedingt ändern müsse.

In Deutschland blicken Unternehmer mit wachsender Sorge auf den Handelskonflikt. "Der anhaltende Konfrontationskurs zwischen den USA und China gefährdet die Weltwirtschaft massiv", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang, der Deutschen Presse-Agentur. Der Handelskonflikt wirke sich umso stärker auf die Weltkonjunktur aus, je länger er dauere. "Unternehmen investieren nicht, wenn unklar ist, ob ihre Geschäfte bald durch Zölle unterbrochen werden. Der Konflikt trifft direkt europäische Unternehmen, die Produktionsstätten in den USA und China haben."

Trump erwartet Treffen mit Putin – Kreml dementiert

Den G20-Gipfel will Trump offenbar auch für ein Treffen mit Wladimir Putin nutzen. Er erwarte während des Gipfels auch ein Treffen mit Russlands Staatschef, sagte Trump. Der Kreml reagierte jedoch prompt mit einem Dementi: Es gebe keine Übereinkunft über ein Treffen.

Das Verhältnis zwischen Washington und Moskau wird derzeit von einer Vielzahl an Meinungsverschiedenheiten getrübt. So hält Russland weiterhin an dem Atomabkommen mit dem Iran fest, das Trump vor einem Jahr einseitig aufgekündigt hatte.

Zuletzt sorgte der Konflikt in Venezuela für schwere Irritationen. Weitere Streitpunkte sind der Krieg in Syrien, der Ukraine-Konflikt und die Rüstungskontrolle. US-Außenminister Mike Pompeo trifft am Dienstag zu Gesprächen mit Putin zusammen.