Der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Larry Kudlow, hat eingeräumt, dass die erhöhten US-Zölle auf Waren aus China beide Seiten beeinträchtigen werden. "Na gut. Tatsächlich werden beide Seiten zahlen", sagte er dem Sender Fox News. "Dem widerspreche ich nicht." Zudem widersprach er früheren Aussagen des Präsidenten, wonach Geld aus China fließe und direkt dem amerikanischen Staat zugutekomme. Kudlow räumte nun ein, dass China die auferlegten Zölle bisher nicht zahle. 

In der Nacht zum Freitag hatten die USA Sonderabgaben auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar von bisher zehn auf 25 Prozent erhöht. Für weitere Importe im Volumen von 50 Milliarden Dollar lag der Satz bereits zuvor bei 25 Prozent. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer berichtete kurz darauf, Trump habe in einem weiteren Schritt auch angeordnet, 25-prozentige Abgaben auf weitere Waren im Wert von rund 300 Milliarden Dollar zu erheben – und damit auf alle chinesischen Importe.

Vorerst keine weiteren Verhandlungstermine

Kudlow zufolge werde diese nächste Stufe aber nicht allzu schnell folgen. "Das wird einige Zeit dauern", sagte er im Fox-Interview. "Es könnten ein paar Monate sein." Der Ökonom betonte, nach seinem Verständnis seien vor einer Ausweitung der US-Sonderzölle auf alle chinesischen Importe diverse Schritte nötig, darunter auch Anhörungen.

Unklar ist, wie genau es mit den Verhandlungen weitergeht. Chinas Chefunterhändler Liu He berichtete am Samstag vor chinesischen Journalisten, beide Seiten hätten vereinbart, die Verhandlungen "in näherer Zukunft" in Peking wieder aufzunehmen. US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte dagegen dem US-Sender CNBC, "bis jetzt" seien keine weiteren Handelsgespräche angesetzt. Auch Kudlow erklärte, bislang gebe es noch keinen konkreten Termin. Er betonte zugleich, es sei wahrscheinlich, dass Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels Ende Juni in Japan zusammenkämen. 

Donald Trump sieht sich als Sieger

Beide Seiten bemühten sich zudem um eine versöhnliche Tonlage – wohl auch, um die Finanzmärkte zu beruhigen. "Es ist normal und unausweichlich, kleine Rückschläge und Wendungen in Gesprächen zu haben", sagte Liu He. Zugleich ging er in die Offensive und enthüllte erstmals drei chinesische Kernforderungen: So müssten alle Zusatzzölle beseitigt werden. Die Ziele für geplante chinesische Käufe von US-Waren müssten mit der realen Nachfrage übereinstimmen. Außerdem müsse der Text des Abkommens "ausgewogen" sein und die "Würde" beider Länder wahren.

Dessen ungeachtet und als Reaktion auf das Interview seines Wirtschaftsberaters gab sich Donald Trump eher unnachgiebig – und siegesgewiss. "Wir sind genau dort, wo wir mit China sein wollen", twitterte er am Sonntag. Die USA hätten "keinen Grund zur Eile". Der US-Präsident forderte die Regierung in Peking auf, besser jetzt zu handeln und nicht bis nach der US-Präsidentenwahl 2020 zu warten, da er diese auch gewinnen werde. Ein Abkommen werde "viel schlimmer", wenn es in seiner zweiten Amtszeit verhandelt werde, schrieb Trump und deutete damit auch an, dass sich der Konflikt noch lange hinziehen könnte.

Auch Chinas Vizepremier verglich die Gespräche mit einem Marathon, der in der Schlussphase besonders schwer werde. China habe aber einen langen Atem: "Wir haben keine Angst vor Schwierigkeiten."