Die österreichische Staatsanwaltschaft prüft die heimlichen Aufnahmen der Aussagen von Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf Ibiza. Es stelle sich die Frage, ob es sich nur um Gerede gehandelt habe oder ob es konkrete Hinweise auf ein strafbares Verhalten gebe, sagte ein Sprecher des österreichischen Justizministeriums dem Kurier.

Die Justiz werde bei den beiden Medien um das gesamte ungeschnittene Videomaterial bitten und dann die erforderlichen Schritte veranlassen, sagte der Sprecher weiter. Ob Ermittlungen eingeleitet würden, sei deshalb noch offen.

Das von Spiegel und Süddeutscher Zeitung verbreitete Video zeigt den heutigen Vizekanzler Strache unter anderem dabei, wie er einer angeblichen russischen Oligarchin im Gegenzug für Wahlkampfhilfe öffentliche Aufträge verspricht. Die oppositionelle SPÖ sprach am Freitag vom "größten Skandal" in der jüngeren Geschichte des Landes. Die liberale Partei Neos bezeichnete Neuwahlen nun als "unvermeidlich".

Die Süddeutsche Zeitung erklärte, dass sie die Originalaufnahmen der Justiz nicht zur Verfügung stellen werde. Aus Gründen des Quellenschutzes mache man keine Angaben über die Herkunft. Die Aufnahmen seien der SZ und etwas später dem Spiegel zugespielt worden.

Material wurde wohl auch Böhmermann angeboten

Angesichts der Vorwürfe gegen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache will Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Samstag über die Zukunft der Koalition sprechen. Der Regierungschef werde sich auf einer gegen Mittag erwarteten Pressekonferenz äußern, hieß es aus Regierungskreisen. Auch Strache will laut Berichten am Samstag Stellung nehmen.

Das mit versteckter Kamera gefilmte Video war im Juli 2017 in einer Villa auf Ibiza aufgenommen worden. Auf dem Video ist neben Strache auch der heutige FPÖ-Fraktionschef Johann Gudenus zu sehen, der als Übersetzer fungierte. Das sechs Stunden lange Treffen, bei dem reichlich Alkohol geflossen sein soll, war offenbar als Falle für die FPÖ-Politiker organisiert worden. Die angebliche russische Oligarchin bot dabei an, bei der österreichischen Kronen Zeitung als Investorin einzusteigen und Strache danach zu unterstützen.

Die Zeitung könne im Fall einer solchen Übernahme kurz vor der Wahl zugunsten der FPÖ Partei ergreifen, sagte Strache. Als Dank stellte er der Frau Aufträge beim Straßenbau in Aussicht, sollte die FPÖ an die Regierung kommen.

Leila Al-Serori von der Süddeutschen Zeitung erklärte im ORF-Fernsehen, dass man das Video bereits vor Monaten angeboten bekommen habe. Das Material sei dann vor einigen Wochen in einem verlassenen Hotel auf USB-Sticks übergeben worden. Auch dem deutschen Satiriker Jan Böhmermann seien die Aufnahmen angeboten worden. Dieser habe den Fall jedoch nicht weiter recherchiert. Böhmermann hatte bereits bei einer Gala im April Anspielungen auf das nun öffentlich gewordene Video gemacht.

Unter dem Eindruck der Regierungskrise hat der FPÖ-Spitzenkandidat für die Europawahl, Harald Vilimsky, am Samstag seine Teilnahme an einer Großveranstaltung rechtspopulistischer Parteien mit Italiens Innenminister Matteo Salvini in Mailand abgesagt.