Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) schließt nicht aus, dass sich sein bisheriger Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) mit seinen Äußerungen in dem Ibiza-Video strafbar gemacht haben könnte. "Die Ermittlungen werden zeigen, was jetzt passiert", sagte Kurz in einem Interview mit der Bild-Zeitung. "Aber, was er in diesem Video sonst sagt, ist ein großer Skandal, bedeutet das Ende von seiner politischen Tätigkeit und vermutlich auch strafrechtliche Konsequenzen", sagte er. "Das Video deutet darauf hin, dass es hier fragwürdige Vorgänge gab, aber das müssen Gerichte aufklären und entscheiden."

Abgesehen von den persönlichen Attacken gegen ihn sei das, was auf dem Video zu sehen ist, "erschütternd". "Es geht um Machtmissbrauch, und das ist schwerwiegend und problematisch. Es geht um offene Angebote der Korruption. Und Attacken gegen die freie Presse", sagte Kurz. Im Hinblick auf die Herkunft des Videos lenkte Kurz den Verdacht auf den Politikberater Tal Siberstein: "Wenn wir über die Methoden reden, dann erinnert mich das sehr an Tal Silberstein, den Wahlkampfhelfer der SPÖ 2017. Er hat ähnliche Methoden in aller Welt angewandt." Auch Strache hatte Silberstein bereits verdächtigt.

Norbert Hofer zum neuen FPÖ-Chef bestimmt

Am Freitagabend war vom Spiegel und der Süddeutschen Zeitung ein Video veröffentlicht worden, dass Strache und den ehemaligen FPÖ-Fraktionsvorsitzenden Johann Gudenus, dabei zeigen, wie sie einer vermeintlichen russischen Oligarchin 2017 auf Ibiza Staatsaufträge in Aussicht stellen, wenn sie der FPÖ zum Wahlerfolg verhelfe. Die Herkunft des Videos ist unbekannt. Als Reaktion auf die Veröffentlichung waren Strache und Gudenus von ihren Ämter zurückgetreten. Zudem löste Kurz die Koalition mit der FPÖ auf und ließ Neuwahlen für Anfang September anberaumen.

Straches Nachfolger als FPÖ-Chef soll Verkehrsminister Norbert Hofer werden. Das Bundesparteipräsidium fasste den Entschluss einstimmig. Die Entscheidung soll bei der nächsten Sitzung des Bundesparteivorstandes, die nach der Europawahl stattfinden wird, formal bestätigt werden. Gudenus gab inzwischen seinen sofortigen Austritt aus der FPÖ bekannt. Zudem legte er sein Nationalratsmandat nieder.