Eine militärische Konfrontation zwischen den USA und dem Iran hätte Auswirkungen auf den gesamten Nahen und Mittleren Osten. So provokant und problematisch der Iran auch agiert, die persische Nation selbst gehört dort immer noch zu den stabileren Staaten. Käme es zu einem Krieg, wäre der Iran nicht nur ein weiterer Konfliktschauplatz. Von Syrien bis Jemen sind die Beispiele für Gewalt, Staatszerfall und Elend der Bevölkerung zahlreich – und vielerorts ist die Islamische Republik beteiligt:

Jemen

Im Jemen flogen saudische und emiratische Kampfjets am Mittwoch erneut Angriffe auf die Hauptstadt Sanaa. Tags zuvor hatten die Huthi-Rebellen mit einer Bombendrohne die saudische Ost-West-Pipeline angegriffen, mit der Rohöl über 1.200 Kilometer vom Persischen Golf zum Roten Meer gepumpt wird. Über vier Jahre dauert nun schon der Krieg an der Südspitze der Arabischen Halbinsel, der das Land und seine Bevölkerung in Schutt und Elend gestürzt hat. Millionen Jemeniten hungern, große Teil der Infrastruktur sind zerstört. 1,2 Millionen Cholerafälle führten bisher zu 2.500 Toten. Mindestens 62.000 Menschen wurden durch Bomben, Minen und Granaten verletzt oder getötet. Saudi-Arabien und die Emirate bewaffnen die jemenitische Regierungsarmee und sind mit angeheuerten Söldnern sowie eigenen Truppen vor Ort.

Umgekehrt helfen iranische Experten den Huthis, deren Raketenarsenal zielgenauer zu machen. Zudem lieferten die Revolutionären Garden offenbar komplette Mittelstreckenraketen des Typs Burkan-2H, die bisher zweimal den Flughafen von Riad trafen. Unter dem Druck des amerikanischen Aufmarschs wirkte der Iran nun offenbar erstmals entschieden auf seine Rebellen-Verbündeten ein. Diese räumten endlich den wichtigsten Hafen Hodeidah und erfüllten damit ihren Teil der Stockholm-Vereinbarung vom vergangenen Dezember.

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Irak

Für den Irak ordneten die USA jetzt den Abzug von diplomatischem Personal an. Das Pentagon hat noch 5.200 Soldaten in Bagdad stationiert, vor allem für den Kampf gegen den "Islamischen Staat". Deren Dschihadisten haben sich in Teilen des Landes bereits neu organisiert. Es häufen sich Überfälle, falsche Straßensperren, nächtliche Razzien sowie Morde an Kommunalpolitikern, Polizisten und Soldaten. Aber auch die irantreuen schiitischen Milizen rüsten auf. Die sogenannten Volksmobilmachungskräfte (PMF) mit ihren 150.000 Mann bilden mittlerweile – wie die Hisbollah im Libanon – auch im Irak einen eigenen Staat im Staate. Nach US-Erkenntnissen rückten die Paramilitärs in jüngster Zeit Raketenrampen näher an US-Militärlager heran, was die irakische Regierung jedoch dementiert.

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Syrien

In Syrien geht der Krieg ins neunte Jahr. Mehr 350.000 Menschen sind gestorben, 130.000 Regimegegner spurlos in den Verließen verschwunden. Von mindestens 14.000 Opfern nehmen Menschenrechtler an, dass sie zu Tode gefoltert wurden. Seit Ende April rüstet das Regime in Damaskus nun für die letzte Phase: die Rückeroberung der letzten Rebellenenklave in Idlib. Wie zuvor in Ost-Aleppo und Ost-Ghouta lassen die Machthaber vor allem Krankenhäuser und Schulen gezielt bombardieren. Mehr als 200.000 Menschen sind bereits auf der Flucht und versuchen, sich im Grenzgebiet zur Türkei in Sicherheit zu bringen. Auch Israels Luftwaffe attackierte in den vergangenen Monaten Hunderte Ziele in Syrien. Seine Raketen richteten sich gegen Waffendepots der Hisbollah und Einrichtungen der Revolutionären Garden.

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Libanon

Libanons Hisbollah ist die kampfstärkste Miliz des gesamten Nahen Ostens. 2006 besaß sie rund 12.000 Raketen, von denen im damaligen Krieg 4.000 auf Israel abgefeuert wurden. Inzwischen sind die Bestände mit iranischer Hilfe um ein Vielfaches aufgestockt. Westliche Schätzungen gehen von 100.000 Raketen aus, dazu kommt ein immer effizienteres Drohnenprogramm. Nach Kalkulationen israelischer Militärexperten kann die Hisbollah in einem künftigen Konflikt 1.200 Raketen pro Tag abschießen. 2006 waren es 100 pro Tag. Seit vergangenem Dezember entdeckten und zerstörten Sicherheitskräfte sechs Tieftunnel, die von libanesischer Seite bis auf israelisches Territorium reichten.

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Gaza

Erst vergangene Woche lieferten sich Extremisten aus dem Gazastreifen und die israelische Luftwaffe wieder ein schweres Raketenduell. Aus dem von der Hamas kontrollierten Küstenareal flogen fast 700 Geschosse Richtung Israel. Dessen Armee antwortete mit Bombardierungen. Durch iranisches Know-how verfügen Hamas und Islamischer Dschihad, der als verlängerter Arm des Regimes in Teheran gilt, inzwischen über Raketen mit einer Reichweite von 75 Kilometern, die auch Tel Aviv treffen können.

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Libyen

Der jüngste offene Kriegsschauplatz der Region ist Libyen. Seit Anfang April versuchen die Truppen des ostlibyschen Generals Khalifa Haftar, die Hauptstadt Tripolis zu erobern. Mehr als 400 Menschen sind bisher gestorben, 30.000 auf der Flucht vor den Häuserkämpfen, die mit einer beträchtlichen Zerstörung der libyschen Metropole enden könnten. Der 75-jährige Warlord wird unterstützt von Ägypten, Saudi-Arabien und den Emiraten. Seine Gegner, die international anerkannte Regierung in Tripolis und ihre verbündeten Milizen, erhalten Geld und Waffen aus Katar und der Türkei. Insofern spielt sich die innere Konfrontation im Golfkooperationsrat zwischen Saudi-Arabien und Katar jetzt auch auf dem Boden Libyens ab.

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