US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan hat im Konflikt mit dem Iran vor dem Kongress zu beschwichtigen versucht. Die Regierung drifte nicht in eine militärische Auseinandersetzung ab, beteuerte er nach Angaben von Sitzungsteilnehmern in einer nicht öffentlichen Kongresssitzung. "Es geht um Abschreckung, nicht um Krieg", wird Shanahan zitiert. "Wir wollen nicht, dass die Situation eskaliert."

Zusammen mit Außenminister Mike Pompeo hatte der Verteidigungsminister die Abgeordneten und Senatoren über die neuesten Entwicklungen informiert. Viele Demokraten, aber auch Teile der Republikaner, sind besorgt über die rhetorischen Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf das Regime in Teheran. Am Wochenende hatte Trump dem Land mit Vernichtung gedroht. "Wenn der Iran kämpfen will, wird das das offizielle Ende des Irans sein. Droht nie wieder den Vereinigten Staaten!", schrieb Trump auf Twitter.

Ein Zeichen dafür, wie tief das Misstrauen der Demokraten gegenüber der Regierung ist, war die zweite Anhörung des Tages durch ehemalige Spitzenbeamte aus der Amtszeit von Ex-Präsident Barack Obama. Trumps erratisches Verhalten habe das Risiko einer Konfrontation mit dem Iran erhöht, sagte der Demokrat Adam Schiff, nachdem er und seine Kollegen vom früherem CIA-Chef John Brennan und der ehemaligen US-Unterhändlerin beim Atomabkommen mit dem Iran, Wendy Sherman, über ihre Sicht der Dinge informiert worden waren.

Dabei ging es vor allem um das Vorgehen des Pentagons seit Bekanntwerden der "glaubwürdigen Geheimdienstinformationen über Bedrohungen unserer Interessen im Nahen Osten und der amerikanischen Streitkräfte". Die Demokraten hatten Brennan und Sherman um Auskunft und eine zweite Meinung gebeten. Nach Angaben von Sitzungsteilnehmern sagte Brennan, er glaube, Trump strebe einen Regierungswechsel in Teheran an. Die dortige Führung wolle zwar einen Konflikt vermeiden, werde aber nicht vor den USA kapitulieren. Sherman warnte demnach, Trumps "unverantwortliches Verhalten" schade auch den moderaten Kräften im Iran.

Auch Pompeo wurde dazu befragt und rückte die Informationen der Geheimdienste "in einen Kontext", wie er sagte. Zuvor hatte er getwittert, er werde erklären, wie die USA Gewalt verhindern, amerikanische Interessen verteidigen und das iranische Volk unterstützen wollten.

Mehr Fragen als Antworten

Einige republikanische Abgeordnete sagten im Anschluss an die Sitzungen, Trumps Kurs sei ihnen nun klarer. Mehrere Demokraten erklärten hingegen, sie hätten nun mehr Fragen als Antworten.

Der bereits seit Jahren anhaltende Konflikt mit dem Iran – vor allem geht es um das Atomprogramm des Landes und den Streit um US-Sanktionen – war zuletzt eskaliert. So entsandte das US-Verteidigungsministerium unter anderem einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in den Nahen Osten und begründete das damit, es gebe Hinweise auf mögliche iranische Angriffe auf US-Kräfte. Die USA und ihr enger Verbündeter Saudi-Arabien werfen dem Iran zudem vor, Konflikte in der Region anzuheizen und Terrorismus zu unterstützen. Zuletzt hatte die Regierung in Teheran Teile des Atomabkommens ausgesetzt – pünktlich zum Jahrestag des Ausstiegs der USA aus der internationalen Vereinbarung.