Die US-Regierung hat Staatsbedienstete in ihrer Botschaft in Bagdad und ihrem Konsulat in Erbil angewiesen, sofort aus dem Irak auszureisen. Die Anweisung gelte für alle Mitarbeiter, deren Anwesenheit nicht dringend erforderlich sei, verfügte das State Department in Washington. "Die US-Regierung hat nur beschränkte Möglichkeiten, amerikanischen Bürgern im Irak in Notfällen zu Diensten zu stehen", heißt es in einer Mitteilung des Außenministeriums. Ein Sprecher ergänzte, die Entscheidung basiere auf der Einschätzung der Sicherheitslage. Eine genaue Zahl, wie viele Mitarbeiter davon betroffen sind, nannte er nicht.

Kurz zuvor hatten die USA die im Irak und in Syrien stationierten Truppenteile der Antiterroroperation Inherent Resolve (OIR) in "hohe Alarmbereitschaft" versetzt. Laut eines Sprechers des für den Nahen Osten zuständigen Zentralkommandos gehen die Geheimdienste – die eigenen sowie die der Alliierten – von "glaubwürdigen Bedrohungen" von Verbündeten des Iran im Persischen Golf aus. Bereits am Sonntag riet die US-Regierung ihren Bürgerinnen und Bürgern vor Reisen in den Irak wegen "erhöhter Spannungen" ab.

Zunehmende Spannungen zwischen USA und Iran

International wächst unterdessen die Sorge vor einer Eskalation am Persischen Golf. Im Zentrum des Konflikts zwischen den USA und dem Iran steht das Atomprogramm, das den Verzicht auf Sanktionen im Gegenzug von Kontrollen iranischer Atomanlagen vorsieht. Die USA hatten das Abkommen vor etwa einem Jahr aufgekündigt und Sanktionen gegen den Iran eingesetzt. Die iranische Regierung hatte ihrerseits vergangene Woche mitgeteilt, nach Ablauf einer 60-Tages-Frist den Ausstieg einzuleiten, falls die Vereinbarungen nicht eingehalten und die Sanktionen nicht aufgehoben würden.

US-Präsident Trump beschuldigt die iranische Regierung außerdem, Unruhe in der Region zu schüren und Terrorismus zu unterstützen. Die US-Regierung wirft dem Iran und seinen Verbündeten unter anderem vor, Anschläge auf Öltanker und Ölanlagen in der Golfregion vorgenommen zu haben. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hatte die USA seinerseits beschuldigt, die Angriffe auf Öltanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate zu nutzen, um einen größeren Konflikt in der Region zu provozieren.  

Das US-Verteidigungsministerium hatte zuletzt unter anderem einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in den Nahen Osten entsandt und dies damit begründet, dass es Hinweise darauf habe, dass der Iran Angriffe auf US-Truppen unternehmen könne. US-Geheimdienste hatten nach Informationen aus irakischen Sicherheitskreisen Hinweise erhalten, dass vom Iran unterstützte Schiitenmilizen Raketenwerfer in der Nähe von Stützpunkten in Stellung brachten, auf denen amerikanische Truppen untergebracht sind.

Irakische Regierung weist Bedrohungsszenario zurück

US-Außenminister Mike Pompeo hatte die irakische Generalität aufgefordert, die Milizen unter Kontrolle zu halten. Andernfalls würden die USA mit Waffengewalt reagieren. Die militärisch schlagkräftigen Schiitenmilizen hatten maßgeblich zum Sieg über die Terrormiliz "Islamischer Staat" im Irak beigetragen. Sie weiten ihren Einfluss in dem Land aus und sind dort inzwischen Teil der Sicherheitskräfte, operieren aber recht eigenständig.

Der irakische Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi hatte am Dienstag gesagt, sein Land habe keine Bewegungen beobachtet, die eine Bedrohung irgendeiner Seite darstellten. "Wir haben den Amerikanern gegenüber deutlich gemacht, dass die Regierung ihre Pflicht erfüllt, alle Beteiligten zu schützen." 

Sprecher zweier Schiitenmilizen teilten mit, sie hätten keine Pläne, US-Truppen anzugreifen. "Die amerikanischen Behauptungen sind grundlos. Sie erinnern an die große Lüge der Massenvernichtungswaffen im Irak", sagte Laith al-Athari von der Gruppe Asaib Ahl al-Hak. Die USA hatten 2003 Massenvernichtungswaffen als Begründung für den Einmarsch im Irak genannt. Die USA haben derzeit etwa 5.200 Soldaten im Irak. Die Volksmobilisierungstruppen (PMF), als deren Teil sich die meisten Schiitenmilizen verstehen, zählen etwa 150.000 Mann.