Die Spannungen zwischen Israel und den Palästinenserorganisationen im Gazastreifen sind am Wochenende nach einer Zeit relativer Ruhe erneut eskaliert. Die israelische Luftwaffe griff nach Armeeangaben am Samstag 120 Ziele in dem Küstenstreifen am Mittelmeer an. Zuvor hatten militante Palästinenser Raketen auf Israel geschossen. Nach Angaben der Times of Israel waren bis zum Abend etwa 300 Raketen und Granaten auf israelische Städte in der Grenzregion abgefeuert worden.

Im Gazastreifen starben nach Angaben des örtlichen Gesundheitsministeriums eine Schwangere und ihr 14 Monate altes Kind, als die israelische Luftwaffe einen Militärposten in der Nähe ihres Hauses bombardierte. Zudem sei ein 22-jähriger Zivilist bei einem Luftschlag im Norden des Gebiets getötet worden, dort wurde auch ein junger Mann von Granatsplittern tödlich getroffen. Bei zwei weiteren Todesopfern handelt es sich der Nachrichtenagentur AP zufolge um zwei Kämpfer des militärischen Arms der Gruppe Islamischer Dschihad. Die Zahl der Toten stieg damit aufseiten der Palästinenser seit Samstag auf sechs. 

In Israel wurden Medienberichten zufolge drei Menschen durch Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen verletzt, darunter eine 80-Jährige. Bei einem Angriff auf die Stadt Aschkelon erlitt ein 60-jähriger Israeli tödliche Verletzungen. Israelischen Medien zufolge traf die Rakete sein Haus nahe der Grenze. Es handelt sich um das erste israelische Todesopfer seit dem Beginn der Raketenangriffe vom Wochenende.    

Die Türkei hat die internationale Gemeinschaft wegen Israels Vorgehen zum Handeln aufgerufen. "Wir verurteilen nachdrücklich die nicht differenzierenden Angriffe Israels im Gazastreifen, die dazu geführt haben, dass viele unschuldige Menschen ihr Leben verloren oder sich verletzt haben", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Ankara. "Wir fordern die internationale Gemeinschaft dringend auf, Maßnahmen zu ergreifen." Deren Ziel müsse es sein, die Spannungen in der Region abzubauen. Bei einem der Luftangriffe wurde Augenzeugenberichten zufolge auch ein sechsstöckiges Gebäude im Westen von Gaza-Stadt zerstört, in dem sich das Büro der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu befand.  

Auswärtiges Amt mahnt zu Zurückhaltung

Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den Raketenbeschuss aus Gaza. Israel habe das Recht, sich zu verteidigen und seine Bürger zu schützen, hieß es in einer Erklärung im Kurznachrichtendienst Twitter. Zugleich forderte das Ministerium in der Nachricht beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Bemühungen Ägyptens und der Vereinten Nationen um eine Beruhigung der Lage hätten Deutschlands volle Unterstützung. Die UN riefen beide Seiten zur Mäßigung auf. Der Nahost-Gesandte Nikolaj Mladenow sagte, die Vereinten Nationen arbeiteten mit Ägypten darauf hin, wieder Ruhe herzustellen. Alle Konfliktparteien seien aufgerufen, zu "deeskalieren" und sich wieder an die jüngsten Vereinbarungen zu halten. Beobachter sprachen von den schwersten Gefechten in der Region seit Monaten.

Die US-Regierung stellte sich hinter Israel. "Wir stehen auf der Seite Israels und unterstützen sein Recht auf Selbstverteidigung gegen diese abscheulichen Attacken", erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Morgan Ortagus. Sie verurteilte "die anhaltenden Raketenangriffe der Hamas und des palästinensischen Islamischen Dschihad aus Gaza auf unschuldige Zivilisten und ihre Gemeinden in ganz Israel".   

Militante Palästinenserorganisationen rechtfertigten die Raketenangriffe mit dem Tod von Palästinensern bei Protesten der vergangenen Tage. Der Islamische Dschihad machte deutlich, dass die Angriffe auch darauf abzielten, die Organisation des in knapp zwei Wochen geplanten Gesangswettbewerbs Eurovision Song Contest in Tel Aviv zu stören. Ein Hamas-Sprecher sagte, die Vereinbarungen für eine Waffenruhe seien "kein Hindernis" für Antworten auf Aggression.