Zwei Tage nach dem Drohnenangriff auf eine Ölpipeline in Saudi-Arabien hat die saudische Luftwaffe neun Stellungen der Huthi-Rebellen in Sanaa und der Umgebung bombardiert. Die Hauptstadt Jemens ist unter Kontrolle der Huthi-Rebellen, die den Angriff auf die Pipeline für sich reklamierten.

Einem Bericht des Fernsehkanals Al-Arabija zufolge zielte der Angriff unter anderem auf Waffenlager der Rebellen. Ziel der Luftangriffe sei es gewesen, den Huthis die Möglichkeit "aggressiver Handlungen" zu nehmen, hieß es in einer Erklärung. Die Militärkoalition, die von Saudi-Arabien geführt wird, teilte mit, dass die Bombardierung der Stadt Sanaa der Beginn einer militärischen Operation gegen Stellungen der Huthis sei. Der Fernsehsender Al-Masirah, der von den Huthi-Milizen kontrolliert wird, meldete, dass auch ein Wohngebiet getroffen worden sei. Dabei sollen sechs Zivilisten getötet worden sein, weitere seien verletzt worden.

Am Dienstag hatten mit Sprengstoff beladene Drohnen zwei Ölpumpstationen der Ost-West-Pipeline in der Nähe der saudischen Hauptstadt Riad getroffen. Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco stellte daraufhin den Betrieb der Pipeline aus Sicherheitsgründen ein. Die Leitung verbindet über 1.200 Kilometer die ölreiche Ostprovinz in Saudi-Arabien mit dem Hafen Janbu am Roten Meer.

Das Energieministerium in Saudi-Arabien wertete den Angriff als Terrorakt und erneuten Versuch, die Sicherheit der weltweiten Ölversorgung zu gefährden. Der stellvertretende Verteidigungsminister Prinz Khalid bin Salman schrieb auf Twitter: Der Iran habe den Angriff der Huthis auf die Pipeline angewiesen. Dies zeige, dass die jemenitische Miliz "ein Instrument des iranischen Regimes ist".

Im Jemen dauern die Kämpfe der Huthi-Rebellen gegen die jemenitische Regierung seit 2014 an. Der Konflikt gilt auch als Stellvertreterkrieg zwischen den beteiligten Regionalmächten: Während das sunnitische Saudi-Arabien die offizielle jemenitische Regierung stützt, erhalten die schiitischen Huthis Unterstützung vom Iran. Nach UN-Angaben wurden bislang mehr als 10.000 Menschen getötet, darunter viele Zivilisten. Zwei Drittel der Bevölkerung leiden Hunger.

Die Chefin des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Henrietta Fore, kritisierte im Deutschlandfunk den mangelnden Einsatz der internationalen Staatengemeinschaft: In mittlerweile fünf Kriegsjahren seien im Jemen mehr als 7.300 Kinder getötet oder verstümmelt worden. Die Dunkelziffer liege noch viel höher. Die Welt versage bei der Menschlichkeit, sagte die Unicef-Direktorin.