Bei allen Unstimmigkeiten verbindet Trump und Bolton politisch einiges. Beide halten die Nachkriegsordnung aus internationalen Organisationen und Abkommen für ein Zeichen von Schwäche der Vereinigten Staaten. "Die beste Hoffnung für die Freiheit der Menschheit ist die Geschichte der USA", so Bolton zum Magazin The Atlantic. "Die nationalen Interessen Amerikas zu beschützen ist daher die beste Strategie für die Welt."

Auf dieser Überzeugung hat Bolton eine eindrucksvolle Karriere aufgebaut. Seit 1981 diente er unter jedem republikanischen Präsidenten, zuletzt als UN-Botschafter unter George W. Bush – ein Job, für den ihn selbst führende Republikaner aufgrund seines undiplomatischen Auftretens und seiner Verachtung für die Vereinten Nationen für untauglich hielten. Doch dieser Stil hat in Trumps Regierung Konjunktur, wie auch das Beispiel Richard Grenell zeigt. Der heutige US-Botschafter in Berlin war unter Bolton Sprecher der US-Delegation bei den Vereinten Nationen.

Ein Hardliner ist Bolton auch nach seiner Zeit bei den Vereinten Nationen geblieben. Er gilt als eine der treibenden Kräfte hinter der Aufkündigung des INF-Vertrags, in dem sich die USA und die Sowjetunion auf die Abrüstung von Mittelstreckenraketen geeinigt hatten. Auch den amerikanischen Rückzug aus dem Atomabkommen mit dem Iran vor einem Jahr hielt er für überfällig. Eine Kopie der Executive Order, mit der Trump den Ausstieg offiziell machte, hängt gerahmt in Boltons Büro im Weißen Haus.

Wird Bolton Trump unheimlich?

Bolton ist nicht der einzige Iran-Falke in der Administration. Bis hinauf zum Präsidenten sieht der übergroße Teil von Trumps Team Teheran als die größte Bedrohung für Stabilität und Sicherheit im Nahen Osten. Doch Bolton geht weiter als die meisten: Er wirbt seit Jahren für einen Umsturz in Teheran. Noch kurz vor seiner Berufung zum Nationalen Sicherheitsberater forderte er, die US-Regierung sollte einen Regimewechsel anstreben. Als die Vereinigten Staaten am Wochenende wegen zunehmender Spannungen mit Teheran einen Flugzeugträger in die Region verlegten, verkündete die Entscheidung: Bolton.

Dass der Nationale Sicherheitsberater über eine so starke Stellung innerhalb der Regierung verfügt, hängt jedoch nicht nur mit seiner Intelligenz oder seiner Nähe zum Präsidenten zusammen. Bolton profitiert auch davon, dass derzeit kaum jemand in der Lage ist, ihm zu widersprechen. Das Heimatschutzministerium wird nach dem Rücktritt von Kirstjen Nielsen nur von einem Interimsminister geführt. Der Platz an der Spitze des Pentagons war auch lange vakant, bis Trump den kommissarischen Leiter Patrick Shanahan zum Minister machte. Einen richtigen Gegenspieler innerhalb der Regierung hat Bolton deshalb im Moment nicht.

Und so kann Bolton sich in der Sicherheitspolitik derzeit recht ungestört austoben. Dass er über einen möglichen Militäreinsatz in Venezuela schon länger nachdenkt, wurde spätestens im Januar deutlich. Damals betrat er den Presseraum des Weißen Hauses mit einem gelben Notizblock in der Hand, auf dem gut lesbar "5000 Truppen nach Kolumbien" zu lesen war.

Doch langsam scheint sein Nationaler Sicherheitsberater auch dem Präsidenten zunehmend unheimlich zu werden. Bolton wolle ihn "in einen Krieg" zerren, soll sich Trump jüngst vor Vertrauten beklagt haben. Vielleicht wird Trump bald seinen vierten Kandidaten für den Job suchen.