Eine Polizeiaktion gegen Schmuggler im größtenteils serbisch bevölkerten Norden des Kosovos hat neue Spannungen in der Region ausgelöst. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić berief in Belgrad eine Sitzung des nationalen Sicherheitsrates ein und versetzte die serbischen Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft. Er sprach von einem Versuch der kosovarischen Regierung in Pristina, die Serben im Kosovo einzuschüchtern. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Moskau verurteilte die vorübergehende Festnahme eines russischen Diplomaten.

Einheiten der kosovarischen Sonderpolizei waren am frühen Dienstagmorgen in Kosovska Mitrovica und benachbarten Gemeinden eingerückt, erklärte der Generaldirektor der kosovarischen Polizei, Rashit Qalaj, am Nachmittag. In Zubin Potok errichteten serbische Bewohner Barrikaden und schossen auf die anrückenden Polizisten, so Qalaj. Die Beamten hätten daraufhin Tränengas eingesetzt.

Zwei Polizisten wurden durch Schüsse verletzt. Bei der gewaltsamen Räumung der Barrikaden erlitten drei weitere Polizisten und sechs serbische Zivilisten Verletzungen. Mehrere Zivilisten wurden wegen gewaltsamen Widerstands festgenommen. Unter ihnen war auch der russische Staatsbürger, der der UN-Friedensmission Unmik angehört. Der Diplomat hatte sich nach kosovarischer Lesart als Privatperson hinter den Barrikaden aufgehalten.

19 Beamte wurden festgenommen

Moskau forderte die EU und die USA zu dringendem Handeln auf. Die internationalen Schutzmächte Pristinas müssten auf die radikalen Kosovo-Albaner einwirken, um eine weitere Eskalation des Konflikts mit unvorhersehbaren Folgen zu verhindern, hieß es aus dem Außenministerium. Russland verurteilte die Razzia als Versuch, die serbische Bevölkerung einzuschüchtern.

Der kosovarische Sonderstaatsanwalt Syle Hoxha erklärte, mit der Aktion seien Haftbefehle gegen mutmaßlich korrupte Polizeibeamte durchgesetzt worden. Sie werden der Zusammenarbeit mit der Mafia und mit Schmugglerringen verdächtigt. Insgesamt wurden 19 Beamte festgenommen, unter ihnen elf Serben, vier Kosovo-Albaner und vier Angehörige der bosniakischen Minderheit, sagte ein Polizeisprecher. Die Razzia erstreckte sich auch auf einige Gebiete im rein albanischen Siedlungsgebiet.

Russland verurteilte die Razzia als "neuerliche Provokation". Die EU und die USA müssten "auf die radikalen Kosovo-Albaner einwirken, um eine weitere Eskalation des Konflikts mit unvorhersehbaren Folgen zu verhindern", teilte die Sprecherin des Außenministeriums mit. 

Machtstrukturen mit Mafia-Verbindungen

Die UN-Mission Unmik brachte ihre "ernste Besorgnis" über die Festnahme des russischen und eines weiteren – nicht näher bezeichneten – Mitarbeiters zum Ausdruck. Ein Sprecher der Nato-geführten Friedenstruppe KFOR betonte wiederum, bei der Razzia handele es sich um eine Polizeiaktion gegen das organisierte Verbrechen. "Sie richtet sich nicht gegen die Serben, sondern gegen Personen, die wegen Korruption und Straftaten zur Fahndung ausgeschrieben sind", zitierte ihn die serbische Nachrichtenagentur Tanjug. Würden serbische Soldaten in das Kosovo eindringen, könnte das eine direkte Konfrontation mit der dortigen KFOR-Truppe bedeuten.

Im Nordteil von Mitrovica und drei weiteren Gemeinden, die unmittelbar an Serbien grenzen, regieren von Belgrad unterstützte Machtstrukturen mit engen Verbindungen zur Mafia. Obwohl das Gebiet zum Kosovo gehört, haben die kosovarischen Behörden dort keine entscheidende Präsenz. Maßnahmen zur Strafverfolgung können dort in der Regel nur im Rahmen großangelegter Razzien erfolgen.

Das Kosovo ist heute zu mehr als 90 Prozent von Albanern bewohnt. Die ehemals serbische Provinz hatte sich nach einem bewaffneten Aufstand und mit Hilfe einer Nato-Intervention 1999 von Belgrad abgespalten und 2008 für unabhängig erklärt. Serbien hat dies nie anerkannt und betrachtet seine ehemalige Provinz weiterhin als eigenes Staatsgebiet.