Die Konservative Partei befindet sich in einer Krise und die letzten Tage als Premierministerin sind für Theresa May gezählt. Da sollte es gerade kein Problem sein, als Oppositionspartei in Großbritannien Punkte zu holen. Dennoch ist die Labour-Partei weit entfernt davon, Erfolg zu haben. Vielmehr zerlegt sie sich derzeit und Parteichef Jeremy Corbyn hat großen Anteil daran.

Die Woche ging bereits schlecht los für den Labour-Chef. Seine zwiespältige Brexit-Politik hat der Partei in der Europawahl geschadet, bei der sie als drittstärkste Partei auf 14 Prozent der Stimmen kam. Zwar vor den Tories um Premierministerin Theresa May, aber deutlich hinter der EU-kritischen Partei von Nigel Farage. So ist der Streit um die Ausrichtung Labours nun offen ausgebrochen und Corbyns Gegner arbeiten wohl bereits an der Spaltung der Partei. Als wäre das nicht peinlich genug für Corbyn, musste er zuletzt auch noch Alastair Campbell aus der Partei verweisen. Campbell war einer der wichtigsten Mitstreiter aus der Zeit der Blair-Regierung. Doch er hatte öffentlich zugegeben, die Liberalen gewählt zu haben.

Damit nicht genug, hat die Partei nun mit einem Skandal zu kämpfen: Die britische Gleichheits- und Menschenrechtskommission (EHRC) kündigte am Dienstag an, eine Untersuchung einzuleiten. Sie will überprüfen, ob Labour jüdische Mitglieder diskriminiere. Es ist die Konsequenz aus der Untätigkeit Corbyns, der den jahrelang schwelenden Antisemitismus in der Partei nie ernsthaft bekämpft hat. Die Untersuchung der Kommission ist ein großes Problem für Labour. Bisher hat die Kommission nur eine andere Partei überprüft: die rechtsextreme British National Party (BNP), die per Satzung ihre Mitglieder zunächst nur auf weiße Briten beschränken wollte.

"Von Rothschild-Bankern gekauft"

Es dreht sich nun alles um die Frage, wie tief der Antisemitismus bei Labour sitzt. Parteimitglied Alan Johnson, ein ehemaliger Professor für Politologie, stellte verschiedene Definitionen von Antisemitismus auf und baute diese in seinen Untersuchungsbericht ein, den er im März publizierte. Titel: Antisemitismus und die Krise in der britischen Labour Partei. Johnson ist Israel-Aktivist und tritt für einen Staat Israel und einen Staat Palästina ein. Im seinem Report listet er zahlreiche Fälle von Antisemitismus auf, die weitgehend bekannt und Teil einer internen Sammlung von judenfeindlichen Angriffen in der Partei sind und britischen Medien zugespielt wurden. 

Darin kommen Parteimitglieder und Labour-Kommunalpolitiker vor, die auf Facebook und Twitter behauptet haben, "Tony Blair sei jüdisch" und "von den Rothschild-Bankern gekauft". Auch dass Rothschild "Geldgeschäfte und Israel benutze, um die Welt zu übernehmen". Zudem solle der "jüdische Millionär" und Geldgeber der Partei, Michael Foster, aus der Partei geworfen werden, heißt es in einem Posting.

Selbst der Bruder von Jeremy Corbyn, Piers Corbyn, hat antijüdische Hetze verbreitet, darunter einen Tweet, der Rothschild mit Swastika darstellt. Piers Corbyn wurde dafür von der Partei ausgeschlossen. Zudem soll die jüdische Parlamentarierin Luciana Berger hochschwanger mit der Androhung eines Misstrauensvotums derart eingeschüchtert worden sein, dass sie Anfang des Jahres die Partei verließ. Berger kritisierte Corbyn seit Jahren für den Antisemitismus in der Partei – und für seine Brexit-Politik.