FPÖ-Affäre - »Rechtswidrig angelegte, akkordierte Schmutzkübelaktion« Nach der Veröffentlichung eines belastenden Videos ist Österreichs Vizekanzler Strache zurückgetreten. Den Vorsitz der Partei FPÖ übergibt er an Norbert Hofer. © Foto: Leonhard Foeger/Reuters

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) schließt eine weitere Zusammenarbeit mit Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache offenbar aus. Das berichten die Nachrichtenagenturen Reuters und die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Regierungskreise. Am späten Vormittag wird Strache im Kanzleramt erwartet. Anschließend wollen sich beide Politiker an die Öffentlichkeit wenden.

Medienberichten zufolge wolle Kurz offenbar Strache zu einem Rücktritt auffordern. Die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtet unter Berufung auf FPÖ-Kreise, dass die Rechtspopulisten die Koalition in dem Fall mit Verkehrsminister Norbert Hofer als Vizekanzler fortsetzen wollen. Möglich sind aber auch Neuwahlen: In mehreren österreichischen Medienberichten heißt es, dass Kurz die Koalition mit der FPÖ platzen lassen wolle. Eine Bestätigung dafür gibt es aber noch nicht.

FPÖ-Chef Strache steht wegen eines heimlich aufgenommenen Videos unter Druck. Er soll nach Berichten von Spiegel und Süddeutscher Zeitung der angeblichen Verwandten eines russischen Oligarchen Staatsaufträge im Gegenzug für Wahlkampfhilfe versprochen haben. Das Video zeigt den Chef der rechtspopulistischen FPÖ im Gespräch mit einer Frau, die ihm als Nichte eines russischen Oligarchen vorgestellt worden sein soll. Die Aufnahmen sind der Süddeutschen Zeitung und kurz darauf dem Spiegel vor einigen Monaten zugespielt worden.

Das Video war demnach im Juli 2017 in einer Villa auf Ibiza aufgenommen worden, kurz vor den Parlamentswahlen. Die angebliche Oligarchennichte sagte darin, mindestens eine Viertelmilliarde Euro in Österreich investieren zu wollen. Sie habe vor, in die österreichischen Kronen Zeitung zu investieren, die die FPÖ im Wahlkampf unterstützen könne. Die Boulevardzeitung ist in Österreich sehr einflussreich. Süddeutsche Zeitung und Spiegel berichteten, Strache habe der vermeintlichen Russin als Gegenleistung Bauaufträge in Aussicht gestellt. Demnach sollte die österreichische Firma Strabag keine staatlichen Aufträge mehr bekommen. Den Zuschlag für künftige Projekte solle stattdessen an eine Firma der Frau gehen. Angeboten habe Strache auch staatliche Glücksspiellizenzen.

Die Opposition in Österreich fordert den Rücktritt von Strache. Die SPÖ sprach am Freitag vom "größten Skandal" in der jüngeren Geschichte des Landes. Die liberale Partei Neos bezeichnete Neuwahlen nun als "unvermeidlich".