Als erste Stadt in den USA hat San Francisco den Einsatz von Gesichtserkennungstechnologien durch Behörden untersagt. Die Gefahr, dass der Einsatz solcher Technologien die Bürgerrechte verletzen könne, überwiege die behaupteten Vorteile bei Weitem, entschied der Stadtrat der kalifornischen Metropole. Der Einsatz von Gesichtserkennung drohe rassistische Ungerechtigkeit zu verschärfen und "bedroht unsere Möglichkeit, frei von ständiger Beobachtung durch die Regierung zu leben", heißt es in dem Beschluss weiter.

Das Verbot ist Teil einer breiter angelegten Gesetzgebung, die die Nutzung von Überwachungstechnologien einschränken soll. Die städtische Polizei und andere städtische Behörden dürfen gemäß der Entscheidung künftig keinerlei Gesichtserkennungstechnologie erwerben, besitzen oder nutzen. Flughäfen, Häfen oder andere von den Bundesbehörden betriebenen Einrichtungen sowie Geschäfte und private Nutzerinnen und Nutzer sind von dem Verbot jedoch explizit ausgenommen.

Stadtrat Aaron Peskin, der Initiator des Gesetzesentwurfs, sprach von einer besonders starken Botschaft an die Nation aus einer von Technologie geprägten Stadt. San Francisco habe als einer der Tech-Hauptstandorte eine Verantwortung gegenüber den örtlichen Gesetzgebern. "Wir haben die große Verantwortung, ein Übermaß an Technologie genau zu regulieren."

Gesichtserkennungstechnologien entwickeln sich technologisch schnell weiter, stehen aber unter anderen aus Datenschutzgründen wiederholt in der Kritik. Gegner der Technologie monieren den starken Eingriff von Systemen zur Gesichtserkennung in die Privatsphäre. Zudem drohe die Gefahr, dass Unschuldige fälschlich als Straftäter identifiziert werden könnten. Die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberties Union) warnt außerdem davor, dass die Öffentlichkeit mit der Technologie wahllos und ohne konkreten Verdacht oder Anhaltspunkt flächendeckend überwacht werden könne.

Befürworter der Technologie halten dem entgegen, dass Gesichtserkennung der Polizei im Kampf gegen die Kriminalität helfe und für mehr Sicherheit sorge. 

Einem Bericht der New York Times zufolge setzen die chinesischen Behörden Gesichtserkennung unter anderem ein, um Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren landesweit zu überwachen. Demnach wird Chinas immenses Netz an Überwachungskameras so programmiert, dass die Gesichtserkennung Uiguren aufgrund ihres Aussehens herausfiltern kann. Dies ist laut Experten das erste bekannte Beispiel dafür, dass eine Regierung künstliche Intelligenz für Racial Profiling, also die Personenkontrolle aufgrund der vermeintlichen Herkunft, nutzt.