William Barr hätte eigentlich eine leichte Aufgabe gehabt. Der US-Justizminister hätte den Mueller-Report einfach nur entgegennehmen, den Vorschriften entsprechend redigieren und dann unkommentiert der Öffentlichkeit zugänglich machen können. Nichts anderes wurde von ihm erwartet. Barr hätte sich als aufrechter Verteidiger der US-amerikanischen Gewaltenteilung präsentieren und die Interpretation der Ergebnisse der Russland-Ermittlungen anderen überlassen können.

Doch er hat sich anders entschieden – und wirkt deshalb zeitweise mehr wie der Anwalt des Präsidenten. Zunächst präsentierte Barr Ende März eine teils irreführende Kurzfassung des Mueller-Reports, die Trump deutlicher von den Vorwürfen der Justizbehinderung entlastetet als die später veröffentlichte Langversion. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Mueller sich daraufhin in einem Brief sogar persönlich bei Barr darüber beschwert hatte, dass er der Öffentlichkeit ein falsches Bild seiner Ermittlungsergebnisse präsentiert habe.

Als der Justizminister dann Mitte April den vollständigen – aber teils geschwärzten – Bericht vorlegte, verteidigte er in einer Pressekonferenz das Vorgehen Donald Trumps gegen die Russland-Ermittlungen und versuchte, die öffentliche Wahrnehmung der Ermittlungsergebnisse zu beeinflussen. Statt zumindest den Anschein von Neutralität zu waren, schlug Barr sich erkennbar auf die Seite des US-Präsidenten. Dieser habe "keine bösen Absichten" gehabt und sei verständlich frustriert darüber gewesen, dass die Ermittlungen seiner Überzeugung nach dessen "Präsidentschaft unterminieren sollten".

Barr hat wohl den Kongress angelogen

Der nächste Höhepunkt des Theaters folgte am Mittwoch bei Barrs Anhörung im Senat. Demonstrativ gelangweilt antwortete der Justizminister auf die Fragen der Abgeordneten mit teils haarspalterisch wirkenden Antworten. So fragte die demokratische Senatorin Dianne Feinstein Barr nach Trumps Versuchen, Mueller loszuwerden, die Robert Mueller in seinem Bericht als möglichen Fall von strafbarer Justizbehinderung beschreibt. Daraufhin sagte der Justizminister, Trump habe nicht gefordert, dass Mueller "gefeuert" werde, sondern dass dieser wegen Interessenskonflikten "entfernt" werden solle, was theoretisch die Möglichkeit zuließe, dass jemand anderes die Ermittlungen fortführe. Es wirkt, als lege Barr die Ermittlungsergebnisse deutlich zugunsten Trumps aus.

Am selben Tag wurde außerdem bekannt, dass Barr wohl den Kongress angelogen hatte. Bei einer Anhörung im April hatte der Justizminister gesagt, er wisse nicht, ob Robert Mueller Barrs Zusammenfassung des Berichts befürworte. Der nun aufgetauchte Brandbrief Muellers legt nahe, dass Barr sehr wohl wusste, dass der Sonderermittler unzufrieden mit der Präsentation seiner Untersuchungsergebnisse war. Zu einer Anhörung im Repräsentantenhaus tauchte Barr gar nicht erst auf und erzürnte damit die Demokraten, die dort die Mehrheit haben und zu Recht darauf hinweisen, dass die Kontrolle der Regierung durch das Parlament einen Grundpfeiler der US-amerikanischen Gewaltenteilung darstellt. Mit jedem neuen Fehltritt schwindet die Glaubwürdigkeit des Justizministers.