Damit brachte er auch die letzten oppositionellen Senatoren gegen sich auf: "Die Geschichte wird hart über Sie urteilen", sagte der Demokrat Richard Blumenthal aus Connecticut. Seine Kollegin aus Hawaii, Mazie Hirono, schimpfte erst minutenlang über den Justizminister und forderte ihn dann zum Rücktritt auf. "Sie haben diesen Mann von Kopf bis Fuß verleumdet", befand Ausschusschef Graham nach Ablauf ihrer Redezeit. Barr selbst saß derweil, wie auch während der restlichen Befragungen, leicht vorgebeugt und sichtlich entspannt in seinem Stuhl.

Barr ist eine Ausnahmeerscheinung in Trumps Kabinett. Bei der Vergabe zahlreicher Führungspositionen war die persönliche Nähe zum Staatsoberhaupt entscheidender als die formale Qualifikation. Für den Justizminister gilt das nicht. Barr hat keine enge Beziehung zu Trump. Zwar spendete er im Wahlkampf 2.700 Dollar an den republikanischen Kandidaten, die Höchstsumme, die für Privatpersonen erlaubt ist, zuvor hatte er jedoch bereits deutlich mehr Geld für Jeb Bush mobilisiert. 

Trump wollte unbedingt Barr

Auch seine Qualifikation steht außer Frage. Bereits in den Neunzigerjahren war Barr Justizminister unter Präsident George H. W. Bush. Danach machte er sich als prominenter Anwalt einen Namen. Mit Sonderermittler Mueller ist er seit Jahren befreundet, der Präsident zählte hingegen bislang nicht zu seinem sozialen Umfeld.

Trotzdem wollte Trump unbedingt Barr in seinem Kabinett. Ein Grund dafür könnte sein, dass dieser eine sehr weitreichende Sicht auf die Macht der Exekutive hat. Diese Überzeugung brachte Barr bereits im vergangenen Sommer dazu, unaufgefordert eine 19-seitige Analyse an das Justizministerium zu schicken, die zu dem Schluss kam, dass der Präsident wegen der Entlassung von FBI-Direktor James Comey nicht wegen der Justizbehinderung belangt werden könne. Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass Barr eine Anklage gegen Trump wegen dieses Vorwurfs ablehnte, nachdem der Mueller-Report im März an ihn übergeben wurde.

Auch vor dem Senatsausschuss hielt sich Barr mit seiner juristischen Wendigkeit nicht zurück. Immer wieder versuchten demokratische Senatorinnen und Senatoren, ihn mit vermeintlichen Widersprüchen zu überführen oder wegen möglichen Falschaussagen zu stellen. Der Justizminister ließ sich nicht in die Ecke drängen. "Ich kann Ihnen nicht mehr folgen. Das ist meisterhafte Haarspalterei", gab der demokratische Senator Sheldon Whitehouse aus Rhode Island irgendwann frustriert auf.

Barr sollte eigentlich am Donnerstag auch vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses aussagen. Er sagte aber ab, laut einer Mitteilung stört er sich daran, dass die Demokraten ihn von Rechtsberatern befragen lassen wollten.