Der frühere ägyptische Präsident Mohammed Mursi ist an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Wie das Staatsfernsehen unter Berufung auf Ärzte berichtet, war Mursi wegen einer Tumorerkrankung in Behandlung. In einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft hieß es, bei einer Autopsie seien keine Anzeichen auf jüngere Verletzungen gefunden worden.

Mursi war laut Staatsanwaltschaft bei einem Gerichtstermin am Montag in Kairo zusammengebrochen und später im Krankenhaus gestorben. 20 Minuten lang soll er einem Justizvertreter zufolge vor dem Richter gesprochen haben, er habe sich dabei sehr aufgeregt und sei schließlich in Ohnmacht gefallen.

Mursis Partei spricht von "Mord" durch schlechte Haftbedingungen

Die Partei Freiheit und Gerechtigkeit, der Mursi angehörte und die der politische Arm der Muslimbruderschaft ist, sprach von einem Mord. Die schlechten Haftbedingungen hätten das Ziel gehabt, den Ex-Präsidenten langsam zu töten. Die Partei rief die Menschen dazu auf, in Massen zu der Beerdigung zu kommen.

Von den schlechten Haftbedingungen sprach auch Mursis Anwalt Abdel-Menem Abdel-Maksud. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte er, der 67-Jährige sei während seiner Haft in schlechter gesundheitlicher Verfassung gewesen. "Wir haben mehrere Anträge auf Behandlung gestellt", sagte er. "Einige wurden genehmigt, andere nicht." Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte von den Behörden eine "unparteiische, gründliche und transparente" Untersuchung.

Am Dienstag wurde Mursi im Stadtteil Medinat Nasr im Osten der ägyptischen Hauptstadt im Beisein seiner Familie bestattet.

Mursi war 2012 nach dem Sturz des Langzeitherrschers Hosni Mubarak in den ersten demokratischen Wahlen in Ägypten zum Präsidenten gewählt worden. Er gehörte der Muslimbruderschaft an, die unter Mubarak verfolgt worden war und nach seinem Sturz 2013 wieder verboten wurde und heute als Terrororganisation verfolgt wird.

Ein Mann mit vielen Konflikten

Mursis Präsidentschaft war von Konflikten mit dem Militär, mit der Justiz und mit der Revolutionsjugend gekennzeichnet, die die Revolte gegen Mubarak getragen hatte. Nach Massenprotesten stürzte ihn das Militär am 3. Juli 2013 unter Führung des heutigen Staatschefs Abdel Fattah al-Sissi. Seitdem stand er in mehreren Strafverfahren vor Gericht, etliche davon führten zu Urteilen mit mehrjährigen Haftstrafen. Beim jetzigen ging es um Spionagevorwürfe.

Viele Kritiker warfen Mursi vor, zu konfrontativ regiert zu haben. Vor allem nicht-islamistische Gruppen sahen ihn kritisch und lehnten eine Zusammenarbeit mit ihm ab, obwohl ihn viele 2012 in der Stichwahl um das Präsidentenamt unterstützt hatten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der enge Beziehungen zu Mursi unterhalten hatte, würdigte ihn als einen "Märtyrer".