Einen Tag vor dem Iran-Besuch von Bundesaußenminister Heiko Maas fordert der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif Deutschland und die weiteren Vertragspartner dazu auf, das Atomabkommen umzusetzen. "Beim Atomabkommen sind Ergebnisse wichtig, und, was genau die Vertragspartner für die Rettung des Deals erreicht haben", sagte Sarif am Sonntag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Er sagte, er wolle sich nicht mit Erklärungen für die Schwierigkeiten zufriedengeben. "Nicht dass da wieder gesagt wird, wir haben es versucht, aber es ging nicht."

Das Atomabkommen von 2015 räumt dem Iran im Gegenzug zum kontrollierten Verzicht auf Atomwaffen ein Recht auf ein ziviles Atomprogramm ein und sieht die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen vor. Die USA sind vor einem Jahr aus dem Abkommen ausgestiegen. Seitdem nehmen die Spannungen zwischen den USA und dem Iran zu.

Sarif sagte, Deutschland und die weiteren Vertragspartner – China, Frankreich, Großbritannien und Russland – seien verpflichtet, das Abkommen umzusetzen. Dies beinhalte auch die Normalisierung der Handelsbeziehungen des Iran mit dem Ausland. "Die Vertragspartner müssen nun nur klarstellen, wie weit sie das geschafft haben", verlangte er. Werde der Außenhandel des Iran weiter eingeschränkt, wolle der Iran bis Anfang Juli zumindest teilweise aus dem Vertragswerk aussteigen. Die von der EU gegründete Zweckgesellschaft Instex, die Handelsbeziehungen mit dem Iran trotz der US-Sanktionen ermöglichen soll, konnte ihr Ziel bisher nicht erreichen. Das Hauptproblem ist, dass besonders internationale Banken aus Angst vor US-Strafen keine Wirtschaftsprojekte mit dem Iran finanzieren wollen.

Auch der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe wird in den kommenden Tagen in Teheran erwartet. Abe will den Iran zu Verhandlungen mit den USA motivieren. Allerdings ist der Iran nur zu Gesprächen bereit, wenn Trump zum Wiener Atomabkommen zurückkehrt und die Sanktionen aufhebt. Erst am Freitag verhängte Washington stattdessen neue Sanktionen, diesmal gegen den iranischen Petrochemiekonzern PGPIC. Zur Begründung hieß es, PGPIC habe Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden. Das Teheraner Außenministerium wertete dies als "Wirtschaftsterrorismus" und Beleg dafür, dass Trumps Gesprächsangebote "absurd, leer und betrügerisch" seien.

Außenminister Heiko Maas, der Mohammed Dschawad Sarif am Montag in Teheran treffen wird, befindet sich auf einer viertägigen Nahostreise. Er besuchte bereits Jordanien und überraschend auch den Irak. Dort rief er zur Deeskalation auf und betonte, wie wichtig die Rolle der Bundeswehr im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sei.