Der wegen Terrorvorwürfen in der Türkei angeklagte Kölner Journalist und Sozialarbeiter Adil Demirci darf nach rund 14 Monaten Untersuchungshaft und Ausreisesperre die Türkei verlassen. Das bestätigte sein Anwalt Keles Öztürk. Der 33-Jährige dürfe an der Beerdigung seiner Mutter in Deutschland teilnehmen.

Ein Gericht hatte die Aufhebung der Ausreisesperre beschlossen. Allerdings gelte sie noch, bis Demirci am Montag bei der Bank eine Kaution von 20.000 Lira (rund 3.000 Euro) hinterlegt habe und der Beleg in den Gerichtsakten sei, so Öztürk. Danach werde das Gericht auch die Reisesperre außer Kraft setzen. Die Auflage hatten Demirci und sein Anwalt selbst vorgeschlagen, wie Öztürk sagte. Sie hatten Mitte der Woche erneut eine Aufhebung der Ausreisesperre beantragt, nachdem am Mittwoch in Deutschland Demircis Mutter an Krebs gestorben war.

Demirci besitzt einen deutschen und einen türkischen Pass. Er arbeitet als freier Mitarbeiter bei der linksgerichteten türkischen Nachrichtenagentur Etha, für die auch die zeitweise festgehaltene Journalistin Meşale Tolu arbeitete. Im April 2018 war Demirci mit seiner Mutter für einen Familienbesuch nach Istanbul gereist. Am Tag vor der Rückreise wurde er wegen des Vorwurfs, Mitglied in der Marxistisch-Leninistisch-Kommunistischen Partei der Türkei (MLKP) zu sein, verhaftet. Die Organisation gilt als linksextrem und wird von der türkischen Regierung als terroristische Vereinigung eingestuft. Als angebliches Mitglied soll er etwa "Terrorpropaganda" betrieben haben. Demirci hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Demircis Fall ist einer der prominentesten Fälle gegen deutsche Journalisten in der Türkei. Erst am gestrigen Freitag ist Dilek Dündar, die Ehefrau des Journalisten Can Dündar, nach Deutschland zurückgekehrt – ohne ihren Pass. Die vor drei Jahren gegen sie verhängte Ausreisesperre ist immer noch gültig. Dündar wurde der Reisepass entzogen, nachdem ihr Ehemann in Abwesenheit wegen angeblichen Geheimnisverrats zu mehr als fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Dündar ist der ehemalige Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet. Er lebt seit Sommer 2016 im deutschen Exil.