Nahost - US-Drohne vom Iran abgeschossen Die iranischen Revolutionsgarden haben eine US-Drohne abgeschossen. Aus US-Kreisen hieß es, die Drohne sei in internationalem Luftraum getroffen worden. © Foto: U.S. Air Force/Bobbi Zapka/Handout/Reuters

Die USA haben den Abschuss ihrer Drohne durch den Iran als "nicht provozierten Angriff" verurteilt. "Iranische Berichte, dass das Flugzeug über dem Iran war, sind falsch", teilte das US-Zentralkommando Centcom mit, das die Truppen im Nahen Osten führt. Das unbemannte Überwachungsflugzeug vom Typ RQ-4A Global Hawk sei von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden, als es in der Nacht zum Donnerstag im internationalen Luftraum über der Straße von Hormus operiert habe. US-Präsident Donald Trump twitterte zunächst nur: "Der Iran hat einen sehr großen Fehler gemacht!"

Erst nach Beratungen über den Vorfall äußerte sich Trump weiter und versuchte offenbar, die Lage zu beruhigen. Der Iran könnte die Drohne versehentlich abgeschossen haben, weil jemand "leichtfertig und dumm war", sagte er in Washington. Den Abschuss bezeichnete er als "neue Kerbe" und "Wermutstropfen" im angespannten Verhältnis zum Iran. Sein Gefühl sei, dass ein "General oder so jemand" einen Fehler gemacht habe, indem er die Drohne abschoss. Das sei aber "ein großer Fehler", und die USA würden das nicht hinnehmen. Über eine Antwort der USA darauf äußerte er sich allerdings ausweichend: "Sie werden sehen."

Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) war die US-Drohne bei Kuh-Mubarak in der Provinz Hormusgan in den iranischen Luftraum eingedrungen und abgeschossen worden. "Das war eine klare und konsequente Botschaft an diejenigen, die unsere Grenzen verletzen wollen", sagte IRGC-Chef Hussein Salami. Ein Außenamtssprecher sprach von einem "provokativen und aggressiven Akt" und warnte vor einer Verletzung des iranischen Luftraums. Salami sagte, die Reaktion werde auch in Zukunft "bestimmt und unumschränkt" sein. Er fügte hinzu, dass "wir keinen Krieg anstreben, aber wir sind bereit, auf jegliche Kriegserklärung zu antworten". Außenminister Dschawad Sarif schrieb auf Twitter: "Wir werden diese neue Aggression vor die UN bringen und auch beweisen, dass die USA lügen."

"Dies wäre eine Katastrophe für die Region"

Mit dem Abschuss der US-Drohne demonstrierte der Iran – der über das russische Raketenabwehrsystem S-300 verfügt – auch seine militärischen Fähigkeiten. Die Global-Hawk-Drohne ist nach Angaben des Herstellers Northrop Grumman für den Einsatz in extrem hohen Flughöhen konstruiert. Die Drohne kann bis zu 19,8 Kilometer hoch fliegen – deutlich höher als Verkehrsflugzeuge. Das unbemannte Flugzeug ist knapp 15 Meter lang und hat eine Spannweite von 40 Metern. Zum Vergleich: Eine Boeing 737-700 kommt auf gut 33 Meter Länge und eine Spannweite von knapp 36 Metern. 

Der russische Präsident Wladimir Putin warnte vor einer Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. "Die USA sagen, dass sie die Anwendung von Gewalt nicht ausschließen. Dies wäre eine Katastrophe für die Region", sagte er im russischen Fernsehen. In der Folge käme es zu einem "Aufflammen der Gewalt" und einem Anstieg der Flüchtlingszahlen, sagte Putin. Nachdem die USA vor Kurzem weitere Soldaten in die Golfregion entsandt hatten, hatte Russland den Vereinigten Staaten bereits vorgeworfen, einen Krieg provozieren zu wollen.

Der saudische Staatsminister für Auswärtiges, Adel al-Dschubair, kündigte eine "sehr, sehr starke" Reaktion, sollte der Iran die Straße von Hormus sperren. Saudi-Arabien exportiert durch die Meerenge Erdöl. Al-Dschubair bekräftigte, sein Land wolle keinen Krieg mit dem Iran. Der Iran müsse aber sein aggressives Verhalten ändern, sagte er vor Journalisten in London, wie der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete. 

Spannungen nehmen zu

Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA hatten sich in den vergangenen Wochen verstärkt. So machten die USA den Iran kürzlich für den Angriff auf zwei Tanker im Golf von Oman verantwortlich. Der Iran wies die Vorwürfe zurück. Auch der Streit um das iranische Atomprogramm wird seit Wochen immer verbissener geführt. US-Präsident Donald Trump hatte im Mai 2018 den Ausstieg seines Landes aus dem Atomabkommen verkündet und neue Sanktionen gegen den Iran verhängt. Trotz dieses Vertragsbruchs der USA hielt der Iran zunächst an dem Abkommen fest. Inzwischen hat das Regime angekündigt, die im internationalen Atomabkommen festgelegte Menge von angereichertem Uran überschreiten zu wollen.

Die iranischen Revolutionsgarden, die für den Abschuss der Drohne verantwortlich sind, spielen eine zentrale Rolle in der Außenpolitik Teherans und haben auch erheblichen Einfluss im Innern. Während sie sich selbst als "Bewahrer der Revolution und ihrer Errungenschaften" sehen, gelten sie Kritikern als größtes Hindernis für einen gemäßigteren Kurs des Irans. Gegründet nach der Islamischen Revolution 1979 aus informellen Milizen haben sich die Garden zu einer professionellen Parallelarmee mit eigenen Boden-, Luft- und Seestreitkräften entwickelt. Ihnen untersteht auch das umstrittene Raketenprogramm, das die USA und ihre regionalen Verbündeten als akute Bedrohung sehen.