Die Atommächte investieren nach Angaben von Friedensforschern wieder mehr in ihre nuklearen Waffenarsenale. Zwar ging die Zahl der Atomwaffen weltweit im vergangenen Jahr um knapp vier Prozent zurück, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri berichtet. Dafür seien die Atommächte aber wieder stärker darauf aus, ihre Waffen zu modernisieren.

Dem Bericht zufolge verfügten die Vereinigten Staaten, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea Anfang 2019 über insgesamt 13.865 Atomwaffen. Das waren rund 600 weniger als ein Jahr zuvor. China, Indien und Pakistan hätten ihre Atomarsenale aber ausgebaut. Der Rückgang der Zahl der Atomwaffen weltweit geht demnach vor allem auf Amerika und Russland zurück.

Nordkorea besitze 20 bis 30 Atomwaffen, schätzt Sipri – ein Jahr zuvor waren es noch 10 bis 20. Sofort einsatzbereite Atomsprengköpfe haben demnach nur die USA, Russland, Großbritannien und Frankreich.

Zurück zum Wettrüsten

Die Regierungen aller Atommächte seien dabei, ihre nuklearen Arsenale zu modernisieren, sagte Sipri-Atomwaffenexperte Shannon Kile. Das gelte gerade auch für die USA unter Präsident Donald Trump und Russland. Eine atomwaffenfreie Welt sei somit weiter nicht in Sicht.

Erst vor knapp einer Woche hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) gewarnt, die Krise bei den Bemühungen um nukleare Abrüstung und Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen gefährde den Weltfrieden. Nach einem Treffen mit Ministern 15 anderer Länder ohne Atomwaffen in Stockholm kritisierte er, dass das Thema Abrüstung derzeit überhaupt nicht auf der politischen Agenda stehe. Das müsse geändert werden. Anfang 2020 wollen die Länder, deren Ziel eine Welt ohne Atomwaffen ist, sich erneut in Berlin austauschen.

Im Jahr 2021 läuft das Abrüstungsabkommens New Start zwischen den USA und Russland aus, das 2010 von den damaligen Staatschefs Barack Obama und Dmitri Medwedew in der tschechischen Hauptstadt Prag unterzeichnet worden. Das Abkommen sieht eine Verringerung der Zahl der einsatzbereiten Atomsprengköpfe um gut ein Drittel auf jeweils 1.550 sowie eine Begrenzung der Trägersysteme auf jeweils 800 vor.