Im britischen Portsmouth haben sich am Rande der Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag des sogenannten D-Days der US-Präsident Donald Trump und die Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem direkten Gespräch getroffen. Nach Angaben des deutschen Regierungssprechers dauerte die Unterredung etwa 20 Minuten lang, das Weiße Haus sprach von einer Gesprächsdauer von rund zehn Minuten. An der Unterhaltung nahmen auch der Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, und sein amtierender Stabschef Mick Mulvaney teil.

Nach Angaben der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, besprachen Trump und Merkel die aktuelle Situation in Libyen und die Lage in Westafrika. Sie sollen zudem verabredet haben, das Gespräch während des G20-Gipfels fortführen zu wollen. Ende dieses Monats findet im japanischen Osaka ein Gipfel der Gruppe der 20 statt.   

Ob in Großbritannien ein Treffen Merkels mit Trump stattfinden würde, war bis zuletzt nicht sicher gewesen. In der vergangenen Woche war die Kanzlerin in die USA gereist, hatte sich dort jedoch nicht mit dem US-Präsidenten getroffen. Die Elite-Universität Harvard hatte ihr die Ehrendoktorwürde verliehen. Bei einer Ansprache vor Absolventinnen und Absolventen hatte Merkel die nationalistische und protektionistische Politik der US-Regierung indirekt kritisiert.

Ein "Geschenk der Geschichte"

75 Jahre nachdem die Alliierten während des Zweiten Weltkriegs in der Normandie gelandet waren, waren am Mittwoch zahlreiche Staats- und Regierungschefs in der Stadt Portsmouth im Süden Englands eingetroffen, um an den sogenannten D-Day zu erinnern. Neben Merkel und Trump nahmen die Queen und ihr Sohn, Thronfolger Prinz Charles, die britische Premierministerin Theresa May, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und weitere Regierungsvertreter an der Veranstaltung teil. 1944 waren rund 150.000 Soldaten der Alliierten im von den Nationalsozialisten besetzten Frankreich gelandet.

"Wir haben uns hier versammelt, um denjenigen Tribut zu zollen, deren Mut und Opfer an den Stränden der Normandie einen Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg gebracht haben – und um zu geloben, dass wir niemals vergessen werden, wie tief wir in ihrer Schuld stehen", sagte die britische Premierministerin May. "Ihre Solidarität und Entschlossenheit bei der Verteidigung unserer Freiheit wird uns allen ein Vorbild bleiben." Auch die Bundeskanzlerin äußerte sich vor Journalistinnen und Reportern zum Einschreiten der Alliierten im Zweiten Weltkrieg: "Dass ich als deutsche Bundeskanzlerin heute dabei sein kann und dass wir heute gemeinsam für den Frieden und die Freiheit eintreten, das ist ein Geschenk der Geschichte, das es zu schützen und zu pflegen gilt."

In einer gemeinsamen Erklärung hielten die 16 teilnehmenden Länder fest, gemeinsam dafür sorgen zu wollen, dass sich die Schrecken des Zweiten Weltkriegs niemals wiederholten. "In den vergangenen 75 Jahren haben sich unsere Nationen für den Frieden in Europa und der Welt eingesetzt, für Demokratie, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit", hieß es in der Erklärung. "Wir werden als Verbündete und Freunde zusammenarbeiten, um diese Freiheiten zu verteidigen, wann immer sie bedroht sind."