Die Spannungen um mutmaßliche Angriffe auf zwei Öltanker im Golf von Oman vom Donnerstag halten an. Der Iran wies Vorwürfe der USA als haltlos zurück, an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein. Der UN-Sicherheitsrat kündigte eine Untersuchung an.

Nach Angaben des Botschafters von Kuwait verurteilte der Sicherheitsrat die Angriffe auf die japanische Kokuka Courageous und die norwegische MT Front Altair nahe der Straße von Hormus geschlossen. Der Rat fordere eine gründliche Untersuchung des Vorfalls, sagte Mansur al-Otaibi nach einem Treffen hinter verschlossenen Türen. Kuwait hat in diesem Monat den Vorsitz des Weltsicherheitsrates inne. Eine offizielle Stellungnahme zu den Angriffen gab es nicht. Al-Otaibi sagte nach dem Treffen: "Es ist ein Verstoß gegen internationales Recht und es ist ein krimineller Akt.

"Haltlose Behauptungen"

Der Iran sehe es als seine Aufgabe an, die Sicherheit in der für die Schifffahrt wichtigen Straße von Hormus zu gewährleisten, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Abbas Mussawi, dem staatlichen Hörfunk zufolge. Dass sein Land beschuldigt werde, für Angriffe auf Öltanker im Golf von Oman verantwortlich zu sein, sei alarmierend, sagte Mussawi. "Es ist unsere Aufgabe, für Sicherheit in der Straße zu sorgen, und wir haben die Besatzung der angegriffenen Tanker so schnell wie möglich gerettet." Die Vorwürfe des US-Außenministers Mike Pompeo seien alarmierend. Pompeo hatte zuvor Teheran die Schuld an den Angriffen gegeben.

Der Iran stritt ab, für die Explosionen verantwortlich zu sein. "Der Iran weist die haltlose Behauptung der USA mit Bezug auf die Öltankervorfälle vom 13. Juni kategorisch zurück und verurteilt sie auf das Schärfste", hieß es in einer Mitteilung der Vertretung Irans bei den Vereinten Nationen. Teheran sei bereit, eine "aktive und konstruktive Rolle" für die Sicherheit der strategisch wichtigen Meerenge zu spielen, hieß es in der Mitteilung. Der Iran warnte vor Einschüchterungsversuchen und "böswilligem Verhalten" der USA. Dort seien die Hauptursachen für Unsicherheit und Instabilität in der weiteren Persischer-Golf-Region zu finden.

Auch Großbritannien ging zunächst davon aus, dass der Iran für die Angriffe verantwortlich ist. Außenminister Jeremy Hunt sagte, sein Land werde zwar eine eigene Überprüfung der Vorfälle vornehmen, zunächst glaube man aber den Erklärungen der verbündeten Vereinigten Staaten. Die Vorfälle seien "sehr besorgniserregend und kommen zu einer Zeit von ohnehin schon großen Anspannungen", sagte Hunt. "Wir nehmen das sehr ernst und meine Botschaft an den Iran ist, dass, wenn sie darin verwickelt sind, es eine äußerst unkluge Eskalation ist, die eine ernste Gefahr für die Aussicht auf Frieden und Stabilität in der Region darstellt."

Crewmitglieder sahen "fliegende Objekte"

Das US-Militär veröffentlichte ein Video, das die iranischen Revolutionsgarden belasten soll. Darauf ist zu erkennen, wie sich Menschen an Bord eines Schnellbootes an der Wand eines Öltankers zu schaffen machen und von dort etwas zu entfernen scheinen. Das Boot fährt danach wieder von dem Tanker weg.

Das Zentralkommando Centcom, das die amerikanischen Truppen im Nahen Osten führt, sprach von einem "Haftminenangriff". Pompeo hatte zuvor gesagt, Grundlage für diese Einschätzung seien Geheimdienstinformationen, der Typ der verwendeten Waffen und die ausgeklügelte Ausführung der Taten. Es handele sich um eine "nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch den Iran".

Crewmitglieder der Kokuka Courageous hätten vor der zweiten Explosion ein "fliegendes Objekt" gesehen, teilte der Betreiber des japanischen Handelsschiffes mit, das von einem deutschen Unternehmen gemanagt wird. Der Präsident des Besitzerunternehmens, Yutaka Katada, erklärte am Freitag, der Tanker sei nicht durch Minen oder Torpedos beschädigt worden, weil die Schäden am Schiff über der Wasserlinie gewesen seien. Berichte über einen Minenangriff bezeichnete er als "falsch". Die mit Methanol beladene Kokuka Courageous wurde Katada zufolge insgesamt zwei Mal angegriffen. Nach dem ersten mutmaßlichen Angriff habe die Besetzung "Ausweichmanöver" vorgenommen, das Schiff sei aber drei Stunden später erneut getroffen worden. Zur Art des ersten Angriffs lagen Katada zufolge zunächst noch keine Informationen vor. Am Donnerstag hatte Katada gesagt, der Tanker sei von "einer Art Granate" angegriffen worden.

Wichtige strategische Verbindung

Die Explosionen lösten einen Brand an Bord aus, größere Schäden entstanden den Angaben zufolge aber nicht. Ein Mitglied habe leichte Verletzungen erlitten. Nachdem die Besatzung zunächst von Bord gebracht wurde, seien nun einige Crewmitglieder zum Schiff zurückgebracht worden, um die Notstromversorgung einzurichten. Es sei nicht davon auszugehen, dass das Schiff sinken könne.

Auf den zwei Tankern hatte es am Donnerstag in der Nähe der Straße von Hormus Explosionen gegeben. Die betroffene Meerenge verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die strategisch wichtige Straße von Hormus wird ein großer Teil des weltweit verschifften Öls transportiert. Die Rohölpreise stiegen nach dem Vorfall deutlich.

In der Region wachsen seit Wochen die Spannungen zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und seinen Verbündeten einerseits sowie dem schiitischen Iran andererseits. Das Königshaus in Riad wirft der Führung in Teheran vor, sich in die Angelegenheiten arabischer Staaten einzumischen und die Region zu destabilisieren. Erst vor vier Wochen hatten die Vereinigten Arabischen Emirate Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe in derselben Region gemeldet. Die USA hatten damals ebenfalls erklärt, es sei "fast sicher", dass der Iran dafür verantwortlich sei.