Der britische Botschafter im Iran hat Berichte zurückgewiesen, wonach er vom Außenministerium in Teheran einbestellt worden sei. "Interessant. Und mir neu", schrieb Rob Macaire auf Twitter. Der Botschafter stellte die Vorgeschichte seines Besuchs im iranischen Außenministerium so dar: Er selbst habe um ein dringendes Treffen nachgesucht. Das Gespräch sei ihm gewährt worden. Es habe aber keine "Vorladung" gegeben, schrieb der Diplomat. Die Einbestellung eines Botschafters ist eines der schärfsten Instrumente des diplomatischen Protests.

Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA hatte am Samstag gemeldet, Macaire habe nach den Angriffen auf zwei Öltanker im Außenministerium in Teheran erscheinen müssen. Die iranische Seite habe "einige Erklärungen" verlangt. Grund sei die Stellungnahme der britischen Regierung gewesen. Als bisher einziges EU-Land hat Großbritannien öffentlich den Iran für die mutmaßlichen Angriffe auf zwei Öltanker im Golf von Oman verantwortlich gemacht. Die Vorfälle seien "sehr besorgniserregend und kommen zu einer Zeit von ohnehin schon großen Spannungen", hatte der britische Außenminister Jeremy Hunt gesagt.

Im Gespräch mit dem Botschafter soll der iranische Außenminister die Haltung Großbritanniens scharf kritisiert haben. Der Iran sehe es vielmehr als seine Aufgabe, für die Sicherheit in der für die Schifffahrt wichtigen Straße von Hormus zu sorgen. 

USA: Iran wollte Überwachungsdrohne abschießen

Auch das US-Militär macht die iranischen Revolutionsgarden verantwortlich – und wirft ihnen zudem vor, sie hätten versucht, eine US-Drohne über dem Golf von Oman abzuschießen. Dadurch hätten sie eine Beobachtung der mutmaßlichen Attacke auf einen Öltanker diese Woche verhindern wollen, teilte der Sprecher des für den Nahen Osten zuständigen US-Zentralkommandos mit. Doch seien die Revolutionsgarden mit dem Vorhaben gescheitert.

Dem Militär zufolge filmte die Überwachungsdrohne, wie der erste Öltanker in Brand geriet. Wenige Minuten später habe eine umgerüstete iranische Boden-Luft-Rakete vom Typ SA-7 versucht, die Drohne vom Himmel zu holen. Militärsprecher Earl Brown sagte, Folgeuntersuchungen deuteten darauf hin, dass damit wahrscheinlich eine Beobachtung des zweiten Öltankers gestört werden sollte, der kurz darauf von Explosionen beschädigt wurde. Die USA werfen dem Iran vor, die Öltanker mit Haftminen attackiert zu haben – was dieser zurückweist.

Saudi-Arabien sieht Japan-Besuch als Grund für Angriffe

Auch Saudi-Arabien beschuldigt den Iran. Das "iranische Regime" habe den Besuch des japanischen Regierungschefs Shinzo Abe nicht respektiert und während dessen Anwesenheit die Schiffe angegriffen, eins davon ein japanisches, sagte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman der arabischen Zeitung Al-Sharq al-Awsat. Von der internationalen Gemeinschaft forderte er eine "entschlossene Haltung".

Die beiden Tanker waren am Donnerstagmorgen bei schweren Zwischenfällen im Golf von Oman nahe der Straße von Hormus an der Zufahrt zum Golf beschädigt worden. Zu dieser Zeit war Abe in Teheran, um im Konflikt mit dem Iran zu vermitteln. Die Front Altair einer norwegischen Reederei geriet nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der Kokuka Courageous berichtete von zwei Detonationen. Die genauen Hintergründe sind bislang unklar.

Das sunnitische Saudi-Arabien sieht in dem schiitischen Nachbarn einen Erzfeind. Das Königreich wirft dem Iran vor, sich in die inneren Angelegenheiten der arabischen Länder einzumischen und die Region zu destabilisieren. Erst vor vier Wochen hatten die Vereinigten Arabischen Emirate Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe in derselben Region gemeldet. Der Iran weist das zurück. Kronprinz Mohammed bin Salman, der auch saudischer Verteidigungsminister ist, gilt als der starke Mann des Landes.

Sein Land wolle keinen Krieg, sagte der Thronfolger weiter. Zugleich betonte er jedoch: "Wir werden nicht zögern, jeder Bedrohung für unser Volk, unsere Souveränität und unsere lebenswichtigen Interessen zu begegnen." Das Problem liege allein in Teheran. Der Iran sei derjenige, der die Lage in der Region eskaliere und terroristische Angriffe verübe, entweder direkt oder über ihm treue Milizen. "Das zeigt deutlich den Kurs des iranischen Regimes und seine Absichten, die auf die Sicherheit und Stabilität der Region abzielen."

Tankerbesatzung in Emiraten eingetroffen

Unterdessen trafe die Besatzung der Front Altair in den Vereinigten Arabischen Emirate ein. Ein Sprecher der Reederei Frontline teilte am Samstag mit, die 23 Besatzungsmitglieder seien von der iranischen Hafenstadt Bandar Abbas in die Emirate geflogen und am Flughafen von Dubai gelandet. Es gehe ihnen allen gut und sie seien im Iran gut behandelt worden.

Der japanische Tanker soll nach Angaben der Reederei Kokuka ebenfalls in den Emiraten anlegen, entweder in Fudschaira oder Chor Fakkan. Laut eines Berichts der iranischen Nachrichtenagentur Isna ist auch die Front Altair dorthin unterwegs. Nach Angaben der Reederei wurde der Tanker inzwischen aus iranischen Hoheitsgewässern geschleppt.