Die US-amerikanische Marine hat angebliche Beweisstücke vorgelegt, die eine iranische Beteiligung an dem Angriff auf zwei Öltanker im Golf von Oman in der vergangenen Woche belegen sollen. Spezialisten der US-Marine präsentierten im Hafen von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten Teile, bei denen es sich um Fragmente der verwendeten Haftminen und einen Magneten handeln soll. Die nach dem Angriff auf die Kokuka Courageous geborgenen Stücke hätten eine "auffällige Ähnlichkeit" mit entsprechenden Sprengsätzen, die bei iranischen Militärparaden präsentiert worden seien, sagte der Kommandeur der Fünften Flotte, Sean Kido.

Der Sprengstoffexperte der US-Marine wies zudem die Darstellung zurück, dass das Schiff von einem Flugkörper – beispielsweise einer Rakete – getroffen worden sein könnte. Nach Ansicht der US-Ermittler kann der Schaden an der Kokuka Courageous nicht von solchen Objekten herrühren. Die US-Marine habe einen Magneten und andere Beweisstücke sichergestellt, unter anderem Fingerabdrücke und den Abdruck einer Hand am Schiffsrumpf.

Am vergangenen Donnerstag waren die Öltanker Kokuka Courageous und die Front Altair einer norwegischen Reederei im Golf von Oman von Unbekannten angegriffen und beschädigt worden. Die USA, Saudi-Arabien und die britische Regierung machen den Iran für den Angriff verantwortlich. Ein von der US-Regierung veröffentlichtes Video soll zeigen, wie Soldaten der iranischen Revolutionsgarde eine nicht explodierte Mine vom Rumpf des Schiffs entfernten.

Die iranische Führung hat die Vorwürfe hingegen wiederholt zurückgewiesen. "Der Vorwurf gegen den Iran ist eine komplette Lüge", sagte Verteidigungsminister Amir Hatami nach einem Bericht der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars. Vielmehr habe das iranische Militär eine wichtige Rolle dabei gespielt, die Region und internationale Schifffahrtsrouten sicher zu machen. Die Aufnahmen der Amerikaner könnten nicht als Beweise verwendet werden. Es sei nicht bestätigt, dass der Zeitpunkt und der Ort, der in dem Video zu sehen sei, tatsächlich stimmten.

Der Angriff auf die beiden Öltanker hatte – auch vor dem Hintergrund des Atomstreits zwischen den USA und dem Iran – Sorgen vor einer militärischen Eskalation am Golf erhöht. Die Außenminister von Deutschland und Frankreich, Heiko Maas und Jean-Yves Le Drian, kündigten nun in Paris an, den Spannungen entgegenwirken zu wollen. Es gebe dafür noch genug Zeit, sagte Le Drian, "aber nur wenig Zeit". Maas sagte, die Gefahr eines Krieges am Golf bestehe weiter.

Der Golf von Oman ist über die Straße von Hormus mit dem Persischen Golf verbunden. Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Wasserwege weltweit und spielt für Öltransporte aus der Golfregion eine zentrale Rolle.