Der ehemalige Parteichef der rechtspopulistischen FPÖ, Heinz-Christian Strache, hat in Deutschland Strafanzeige gegen alle Personen gestellt, die "für die Herstellung, Verbreitung und Veröffentlichung des sog. Ibiza-Videos mitwirkend verantwortlich" sind. Die Staatsanwaltschaften in München und Hamburg bestätigten, dass dort entsprechende Anzeigen eingegangen seien. In München und Hamburg sind die Hauptstandorte des Spiegels und der Süddeutschen Zeitung (SZ), die gemeinsam über das Video berichtet hatten. Die Behörden erklärten auf Anfrage der SZ jedoch, dass die Anzeigen nicht namentlich gegen Spiegel, SZ oder bestimmte Personen gerichtet seien.

Zuvor hatten Medien darüber berichtet, dass vor Straches Anzeigen bereits mehrere Privatpersonen Anzeige gegen Verantwortliche der SZ erstattet hätten. In Hamburg gingen ähnliche Anzeigen ein. Die Staatsanwaltschaft in Hamburg ließ jedoch offen, gegen wen sich die Anzeigen richteten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft München beziehen sich die Strafanzeigen auf das "Zugänglichmachen von Bildaufnahmen, die geeignet sind, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden" und das "Zugänglichmachen von höchstpersönlichen Bildaufnahmen".

Die Ermittlungsbehörden prüfen nun, ob Ausschnitte aus dem heimlich auf Ibiza aufgenommenen Video nicht hätten gezeigt werden dürfen – oder ob das öffentliche Interesse überwog. Auf den veröffentlichten Videoausschnitten ist beispielsweise zu sehen, wie Strache und der ehemalige FPÖ-Fraktionschef Johann Gudenus einer angeblichen sehr reichen Russin Staatsaufträge in Aussicht stellen, wenn sie der FPÖ im Wahlkampf helfe. Laut einem Bericht der Zeitung Die Presse will die Oberstaatsanwaltschaft Wien die strafrechtliche Relevanz der Aussagen beider Politiker prüfen. 

Strache hatte bereits vor knapp zwei Wochen gegen drei Personen bei der Staatsanwaltschaft Wien Anzeige erstattet: gegen einen Anwalt und einen Privatermittler sowie gegen eine unbekannte Frau, die Darstellerin der Oligarchennichte. Die Veröffentlichung des Ibiza-Videos führte dazu, dass Strache und Gudenus von ihren politischen Ämtern zurücktraten. Die rechtskonservative Regierung in Österreich brach auseinander. Bis zu den Neuwahlen im September führt in dem Land eine Expertenregierung die Geschäfte.