US-Präsident Donald Trump hat vor den fatalen Folgen eines Krieges mit dem Iran gewarnt. "Ich will keinen Krieg", sagte er im Interview mit dem TV-Sender NBC News. "Und wenn es dazu kommt, wird es eine Vernichtung geben, wie man sie noch nie gesehen hat. Aber ich will das nicht tun", sagte er. In dem Interview zeigte sich Trump dem Sender zufolge ohne Vorbedingungen offen für Unterredungen mit Irans geistlichem und staatlichem Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei oder Präsident Hassan Ruhani.

Die USA haben eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt. Die Beratungen zu den letzten Entwicklungen in Bezug auf den Iran sollen am Montag stattfinden. Das berichtete die deutsche Presseagentur mit Bezug auf Diplomatenkreise.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte die USA und den Iran auf, jegliche Eskalation zu vermeiden. Beide sollten "Nerven aus Stahl" bewahren, sagte Guterres' Pressesprecher am Freitag. Der Generalsekretär sei überzeugt, Dialog sei der beste Weg, um Spannungen zu lindern und eine Eskalation aufzuhalten. Die Vereinten Nationen seien mit beiden Konfliktparteien in Kontakt und hätten öffentlich wie in privaten Gesprächen Zurückhaltung angemahnt.

Trump hatte noch am Vortag einen US-Luftangriff gegen den Iran im letzten Moment gestoppt. Die vom US-Militär erwarteten 150 Toten wären im Vergleich zum Abschuss einer US-Drohne durch den Iran "unverhältnismäßig" gewesen, schrieb Trump am Freitag auf Twitter. Trump machte keine Angaben dazu, welche Ziele angegriffen werden sollten. Die New York Times berichtete, es seien Radarstationen und Raketenbatterien gewesen. Die US-Militärplanungen verstärkten die Sorge, dass der Konflikt zwischen den USA und dem Iran in einem neuen Golfkrieg münden könnte. Es wäre der dritte Militärschlag der USA unter Trump in Nahost gewesen. Die US-Regierung hatte 2017 und 2018 Ziele in Syrien angegriffen.  

Mitten in der Krise sucht Trump einen neuen Verteidigungsminister. Der Präsident beabsichtige, Mark Esper als neuen Verteidigungsminister zu nominieren, teilte das Weiße Haus am Freitagabend mit. Vergangene Woche hatte der geschäftsführende Verteidigungsminister Patrick Shanahan überraschend bekannt gegeben, das Ministerium doch nicht dauerhaft leiten zu wollen. Trump hatte Shanahan erst vor rund sechs Wochen als dauerhaften Chef des Verteidigungsministeriums nominiert.

Schon nach Shanahans Rücktrittsankündigung hatte Trump erklärt, Esper werde die geschäftsführende Leitung übernehmen. Esper ist bislang der hochrangigste Zivilist im US-Heer, der direkt dem Verteidigungsminister unterstellt ist. Der US-Senat muss Espers Nominierung zustimmen. Sollte er bestätigt werden, würde er Jim Mattis ersetzen, der im Dezember wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidenten zurückgetreten war.

Trump diskutierte am Freitag auch mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman die Lage im Iran. Es sei außerdem um die "entscheidende Rolle Saudi-Arabiens" bei der Sicherung der Stabilität in der Region und im globalen Ölmarkt gegangen. Der US-Verbündete Saudi-Arabien und Salman persönlich stehen international wegen einer denkbaren Beteiligung am Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in der Kritik.

Pelosi kritisiert Trumps Alleingang

Die Irankrise überschattet zunehmend auch die US-Innenpolitik. Die Demokratin und Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, rief alle Beteiligten zur Deeskalation auf. Sie forderte, Trump müsse den Kongress beteiligen, bevor er militärisch gegen den Iran vorgehe. "Dies ist eine gefährliche, hochangespannte Situation, die ein kluges, starkes und strategisches Vorgehen erfordert", sagte sie.

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders warnte, ein Krieg wäre ein "absolutes Desaster". Die Region werde dadurch weiter destabilisiert, Tausende Menschen würden sterben, die Kosten würden wahrscheinlich Billionen an Dollar betragen. Zudem werde ein Krieg niemals enden.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran hatten sich in der Nacht zum Donnerstag zugespitzt, nachdem der Iran eine US-Aufklärungsdrohne abgeschossen hatte. Über den genauen Abschussort machen der Iran und die USA unterschiedliche Angaben. Die US-Regierung sagt, das unbemannte Flugzeug sei über internationalen Gewässern getroffen worden. Der Iran sagt, er habe Beweise dafür, dass die Drohne über iranischem Hoheitsgebiet geflogen sei. Es geht um wenige Kilometer. Außerdem gibt der Iran an, die USA mehrfach gewarnt zu haben, dass er die Drohne abschießen könnte.

Der iranische Sicherheitsrat wies am Freitag Berichte zurück, wonach Trump den Iran vor einem bevorstehenden Militärschlag gewarnt haben soll. Laut den Berichten soll Trump diese Information über die Regierung des arabischen Golfstaates Oman an den Iran weitergeleitet haben. Der Rat dementierte auch, dass es eine Botschaft Trumps gebe, in der es heiße, er wolle keinen Krieg, sondern Gespräche mit der Führung in Teheran. Trump soll in dieser Botschaft auch eine Frist für die Gespräche gesetzt haben.