Die iranische Revolutionsgarde (IRGC) hat laut einem Bericht der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna eine Drohne der USA abgeschossen. Die "amerikanische Spionage-Drohne" des Typs RQ-4 Global Hawk sei am Donnerstag in der Nähe des Bezirks Kuhmobarak in der südlichen Provinz Hormosgan in den Luftraum des Irans eingedrungen, meldete Irna unter Berufung auf die Revolutionsgarde.

US-Quellen bestritten hingegen, dass eine Drohne in den iranischen Luftraum eingedrungen sei. Ein Sprecher des US-Militärs erklärte, kein amerikanisches Fluggerät sei über dem Iran im Einsatz gewesen. Kuhmobarak liegt etwa 1.200 Kilometer südöstlich von Teheran, nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus, die den Golf von Oman mit dem Persischen Golf verbindet.

Der Abschuss sei eine klare und konsequente Botschaft an diejenigen, die die Grenzen des Irans verletzen wollten, sagte General Hussein Salami nach Angaben des IRGC-Internetportals. Der Iran wolle mit niemandem Krieg, sei aber auf jeden militärischen Konflikt vorbereitet. Die "rote Linie" des Irans seien dabei seine Grenzen. "Jeder, der die überschreitet, wird zerstört und auch nicht mehr (in sein Land) zurückkehren."

Eine offizielle Bestätigung des Abschusses von US-Seite gab es zunächst nicht, aber die Nachrichtenagenturen AP und Reuters zitierten beide einen anonymen Insider, dem zufolge die Drohne im internationalen Luftraum getroffen worden sei. Der regierungsnahe Sender Fox News berichtete, die Drohne sei über der Straße von Hormus abgeschossen worden. Laut Reuters bezeichnete der Insider die abgeschossene Drohne als ein Modell vom Typ MQ-4C Triton, was eine andere Bezeichnung für die RQ-4 Global Hawk ist. Weitere Details, etwa den Zeitpunkt des Abschusses, nannte er nicht.

Unbemannte Aufklärungsdrohne

Der Rüstungskonzern Northrop Grumman beschreibt auf seiner Website die Triton als ein unbemanntes Fluggerät zur Aufklärung, das mehr als 24 Stunden lang am Stück fliegen kann und eine Höhe von über 16 Kilometern erreicht. Die Drohne könne bei jedem Wetter nahezu in Echtzeit hochauflösende Bilder von großen Gebieten machen.

Das US-Militär hatte den Iran bereits in der vergangenen Woche beschuldigt, eine Drohne mit einer Rakete abgeschossen zu haben. Vor einer Woche hatte es zudem im Golf von Oman an Bord von zwei Tankern Explosionen gegeben. Die USA machen den Iran dafür verantwortlich und werfen ihm vor, Minen an den Schiffen angebracht zu haben. Als Beweis legten sie ein Video vor, dass zeigen soll, wie Soldaten der iranischen Revolutionsgarde eine nicht explodierte Mine vom Rumpf eines der beiden Schiffe entfernen. Der Iran bestritt die Vorwürfe mehrfach.

Die USA hatten am Montag angekündigt, 1.000 zusätzliche Soldaten in die Nahostregion verlegen zu wollen. Dies solle der Abschreckung und dem Schutz von US-Interessen dienen. In den vergangenen Wochen waren bereits zusätzliche Truppen, Bomber und ein Flugzeugträger in die Region entsandt worden.

Auch die Spannungen um das von Trump im Mai 2018 einseitig aufgekündigte Atomabkommen mit dem Iran nahmen zuletzt zu. Die iranische Atomenergiebehörde kündigte an, dass das Land noch im Juni die in der Vereinbarung festgelegte Menge von angereichertem Uran überschreiten werde. Damit erhöhte Iran den Druck auf die Europäer, mehr für die Umsetzung der wirtschaftlichen Seite des Abkommens zu tun.