Wird das nun der perfekte Sturm? Die Beziehungen zwischen den beiden Koalitionspartnern in Rom, der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) unter Luigi Di Maio und der Lega von Matteo Salvini, sind schon zum Zerreißen angespannt. Und genau da hagelt jetzt auch noch die Empfehlung der EU-Kommission herein, gegen Italien Vertragsverletzungsverfahren zu beginnen, weil es immer weiter Schulden anhäuft.

Kompromissbereitschaft zeigen oder gegen die Europäische Union den harten Kurs einschlagen? Das ist die Frage, die Italiens Regierung beantworten muss. Und die drei Protagonisten, die sich da einig werden müssen, sind Giuseppe Conte, der parteilose Ministerpräsident, der über keine eigene Hausmacht verfügt, sowie seine beiden Vizepremiers Di Maio und Salvini.

Doch ausgerechnet zwischen den beiden starken Männern der Koalition, zwischen Di Maio und Salvini, liegen die Nerven blank. Gewiss, unter dem Strich steht ihre Regierung genauso stark da wie vergangenes Jahr, als sie am 1. Juni ins Amt kam. 50,1 Prozent der Stimmen hatten die Koalitionspartner zusammen in den Parlamentswahlen 2018 errungen, bei den Europawahlen am 26. Mai waren es gar 51,5 Prozent.

Salvinis klare Ansage: Italien zuerst

Doch dieses eine Jahr hat die völlige Umkehrung der Kräfteverhältnisse in der Koalition mit sich gebracht: 2018 lagen die Fünf Sterne bei knapp 33 Prozent, die Lega bei 17 Prozent, jetzt aber triumphierte Salvini mit 34,4 Prozent, während Di Maios Bewegung auf 17,1 Prozent halbiert wurde. Und Salvini hatte seinen Sieg mit einer klaren Ansage errungen, die auch jetzt, in der Auseinandersetzung mit Brüssel, zählen dürfte: "Prima l'Italia!" – Italien zuerst!

Diesen offen nationalistischen Kurs hatte dagegen Di Maio nicht mittragen wollen. "Wir sind eine gemäßigte Kraft", hatte er im Wahlkampf gelobt und hinzugefügt, seine Fünf Sterne würden in Europa "nie mit den Rechtspopulisten" zusammengehen, ohne groß auf den Widerspruch einzugehen, warum sie in Rom an deren Seite in der Regierung sitzen.

Stärker aber als europapolitische Fragen waren es die Themen der nationalen Politik, bei denen die beiden Koalitionspartner zunehmend über Kreuz gerieten – und die dann doch wieder in den Europawahlkampf hineindrängten, weil Di Maio ein paar Wochen vor dem Wahltag beschloss, die Unterschiede zu betonen, die die Fünf Sterne von der Lega trennen.

Distanz zur EU als einendes Moment

Denn vor einem Jahr hatten sich da ja – auch mangels anderer Alternativen im italienischen Parlament zur Bildung einer Regierung – zwei Partner zusammengefunden, die sich zwar beide als Anti-Establishment-Parteien präsentierten, die ansonsten aber nicht ungleicher sein könnten. Die Lega: eine stramm rechtspopulistisch-nationalistische Partei, die unter Salvini vor allem auf Flüchtlingsabwehr, innere Sicherheit und Steuersenkungen setzt. Und auf der anderen Seite die Fünf Sterne: eine Protestbewegung, der die Korruptionsbekämpfung wichtig ist, die sich aber auch ein soziales ("keiner wird zurückgelassen") und ökologisches Profil gegeben hat.

Eines allerdings einte die beiden noch vor wenigen Jahren: der große Abstand zur EU. Noch 2014 hatte die Lega ihren Europawahlkampf mit der Parole "Basta Euro!" bestritten, hatten die Fünf Sterne ihrerseits ein Referendum über Italiens Zugehörigkeit zum Euro gefordert.