In Libyen halten Kämpfer des abtrünnigen Generals Khalifa Haftar nach Angaben des türkischen Außenministeriums sechs türkische Staatsbürger fest. Die Festnahme "durch illegale Milizen mit Verbindungen zu Haftar" sei "ein rücksichtsloser Akt und Piraterie", erklärte das Außenministerium in Ankara und verlangte die sofortige Freilassung. "Sollte dies nicht geschehen, werden Haftar-Elemente zu legitimen Zielen", warnte das Ministerium. Wo und wann die Festnahmen erfolgten, blieb unklar.

Haftar hatte nach Angaben seines Sprechers seine sogenannte Libysche Nationale Armee (LNA) angewiesen, türkische Schiffe in libyschen Hoheitsgewässern anzugreifen. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar drohte daraufhin mit nicht näher bestimmten Gegenmaßnahmen. Die Türkei bemühe sich um Frieden und Stabilität in der Region, der Preis für "eine feindliche Einstellung oder Angriffe" werde jedoch sehr hoch sein und auf "effektivste und stärkste Art und Weise" erwidert werden, sagte Akar der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Die Türkei werde Vorkehrungen gegen jede Art von Drohungen treffen.

Hintergrund sind Maßnahmen von Haftars LNA gegen die Türkei. Am Freitag verbot die LNA, die große Gebiete vor allem im Osten des Landes kontrolliert, Verkehrsflüge zwischen beiden Ländern. Zudem dürfen türkische Schiffe nicht mehr in Libyen anlegen. Ein LNA-Sprecher drohte bereits zuvor, dass türkische Staatsbürger in Libyen verhaftet würden.

Offensive auf die Hauptstadt Tripolis

Die Türkei unterstützt die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch. Acht Jahre nach dem mit westlicher Hilfe erreichten Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in Libyen kein Frieden. General Haftar, der lange Jahre in den USA im Exil gelebt hat, hat weite Teile des Landes unter seine Kontrolle gebracht und im April eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis angeordnet.

Haftar erhält Rückendeckung von arabischen Ländern wie Saudi-Arabien, die Emirate und Ägypten, die gegen die Bewegung der Muslimbrüder sind. Katar und die Türkei stehen Al-Sarradsch zur Seite. Die Aussichten auf eine politische Lösung des Konflikts stehen schlecht.