Nach Medienberichten über die desolate Unterbringung von mehr als 300 Kindern in einer Grenzkontrollstelle im US-Bundesstaat Texas hat die US-Regierung einen Großteil der Minderjährigen verlegt. Am Montag seien noch 30 Kinder in der Einrichtung bei El Paso gewesen, sagte die Kongressabgeordnete Veronica Escobar unter Verweis auf Informationen der Zoll- und Grenzschutzbehörde.

Den Berichten der Nachrichtenagentur AP und der New York Times zufolge versorgten sich die Kinder in der Einrichtung gegenseitig. Die älteren versuchten, sich um Kleinkinder und Säuglinge zu kümmern. Sie hätten nicht genügend Wasser, Lebensmittel und Sanitäranlagen, teilweise konnten sie seit Tagen nicht duschen. Einige Kinder würden dort seit drei Wochen festgehalten, 15 von ihnen seien an Grippe erkrankt, weitere zehn befänden sich in medizinischer Quarantäne.

Wohin die Kinder gebracht wurden, war zunächst unklar. Laut Escobar wurden einige in eine andere Unterkunft in El Paso geschickt. In der temporären Einrichtung gäbe es Ausrollmatratzen, Duschen, medizinische Versorgung und Klimaanlagen. Eine Anwältin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sagte, die Konditionen seien nicht unbedingt besser.

Grenzschutzbeamte teilten AP mit, dass ihre Kurzzeiteinrichtungen nicht für schutzbedürftige Personen ausgelegt seien. Sie benötigten dringend zusätzliche Mittel, um diese humanitäre Krise zu bewältigen.

Viele der festgehaltenen Kinder kamen allein an die Grenze zwischen den USA und Mexiko, einige wurden laut den Anwälten jedoch von ihren Eltern oder anderen Angehörigen wie Tanten und Onkeln getrennt. Die staatlichen Regelungen sehen vor, dass die Kinder nicht länger als 72 Stunden in den Grenzschutzeinrichtungen untergebracht sind. Spätestens dann müssen sie in die Obhut des Gesundheitsministeriums überstellt werden, während die Behörden entscheiden, ob sie zu Verwandten oder Freunden der Familie gebracht werden können.

"Unhygienische Bedingungen für Kinder sind total inakzeptabel"

US-Vizepräsident Mike Pence sagte in der Fernsehsendung Face the Nation, unsichere, unhygienische Bedingungen für Kinder seien "total inakzeptabel". Er hoffe, der Kongress werde weitere Ressourcen für die Grenzsicherung zur Verfügung stellen.

Die US-Regierung steht wegen ihrer Einwanderungspolitik immer wieder in der Kritik, zuletzt wegen geplanter Massenabschiebungen. Die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte, US-Präsident Donald Trump bewege sich damit "außerhalb des Zirkels des zivilisierten menschlichen Verhaltens".

Am Wochenende hatte Trump die Massenabschiebungen kurz vor deren für Sonntag angekündigten Beginn abgesagt. Der Kongress habe nun zwei Wochen Zeit, "die Asyl- und Schlupflochprobleme" an der Grenze zu Mexiko zu lösen, schrieb er auf Twitter. "Wenn nicht, fangen die Abschiebungen an!"