Christine Lagarde, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), brachte es in ihrer Rede auf den Punkt: Um die wirtschaftlichen Bedingungen zu verbessern und dauerhafte Investitionen in der Region anzulocken, dazu bedarf es eines Friedensabkommens. Deutlicher hätte eine Kritik an der Friedensinitiative der Trump-Regierung nicht ausfallen können. Der Schwiegersohn des US-Präsidenten, Jared Kushner, hat gemeinsam mit dem Sonderbeauftragten für internationale Verhandlungen, Jason Greenblatt, das neue Konzept für einen nachhaltigen Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern aufgesetzt. Demzufolge soll zunächst dafür gesorgt werden, dass die Palästinenser wirtschaftlich aufgepäppelt werden, erst danach soll ein politisches Konzept für den Frieden vorgestellt werden.

Um die Wirtschaftspläne konkret werden zu lassen, bat die US-Regierung die arabische und internationale Gemeinschaft nach Manama, die Hauptstadt Bahrains. Zwei Tage dauerte die Konferenz, die den kurz zuvor veröffentlichten US-Plan mit dem eigenartigen Titel Frieden zum Wohlstand diskutieren sollte. Nach Vorstellungen Kushners werden 50 Milliarden US-Dollar benötigt, um der palästinensischen Gesellschaft und der Region den Wohlstand zu bringen. Allerdings ist in dem Papier weder von einem palästinensischen Staat die Rede noch von der israelischen Besatzung. Für die Palästinenser ist dieser Plan allein schon deswegen ein Rohrkrepierer. Die Palästinensische Autonomiebehörde weigerte sich, an der Konferenz teilzunehmen, allerdings wurde sie von den USA auch gar nicht erst eingeladen, in den Golfstaat zu kommen. Ebenso wenig dabei: Vertreter der israelischen Regierung.

Dennoch war die Konferenz eine Premiere: Denn zum ersten Mal durften sechs israelische Journalisten in das arabische Land reisen, ebenso eine Reihe israelischer Unternehmer. Und was man am Rande der Konferenz sah, war tatsächlich eine kleine Sensation: Bei einem Empfang gab es zwischen arabischen Offiziellen und Israelis keinerlei Berührungsängste, der israelische TV-Journalist Barak Ravid hatte die Gelegenheit, den Außenminister Bahrains zu interviewen, der erklärte, man wolle Frieden mit Israel erreichen, Israel sei Teil des Nahen Ostens und werde "sicherlich nicht verschwinden". Neue, konziliante Töne also, vor allem in der Öffentlichkeit und gegenüber einem israelischen Sender.

US-Friedensplan - Palästinenser protestieren gegen Nahostplan von Donald Trump Der US-Friedensplan zu Investitionen in Nahost hat im Westjordanland und im Gazastreifen Proteste ausgelöst. Die palästinensische Führung nannte ihn "nicht akzeptabel". © Foto: Mohammed Abed/AFP/Getty Images

Der Feind meines Feindes ist mein Freund

Für Israels Premier Benjamin Netanjahu sind solche Worte die Bestätigung seiner Überzeugung, die arabische Welt werde irgendwann ihren Frieden mit Israel machen, selbst wenn das Palästinenserproblem nicht gelöst werde. Denn auch den arabischen "Brüdern" gehen die Palästinenser zunehmend auf die Nerven. In der Tat hinterlässt die Wirtschaftskonferenz den Eindruck, dass Israelis und Araber miteinander "ins Geschäft" kommen möchten. Die meisten arabischen Regierungen haben kein Problem mehr mit Israel, im Gegenteil, in der wachsenden Konfrontation zwischen den arabisch-sunnitischen Staaten und dem schiitischen Iran ist Israel mit seiner herausragenden Armee, unvergleichbar effektiven Geheimdiensten und dem technologischen Know-how ein willkommener Verbündeter, ganz nach dem nahöstlichen Prinzip: "Der Feind meines Feindes ist mein Freund".

Tatsächlich wirkten die Gespräche zwischen Israelis und Arabern in Manama so, als hätten die Palästinenser politisch wieder einmal das Nachsehen. Seit Donald Trump im Weißen Haus sitzt, hat sich die US-Politik im Nahen Osten fast vollständig den Vorstellungen Netanjahus angeschlossen. Die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem und die Kürzungen oder gar Streichungen von US-Hilfsgeldern für die Palästinenser führten dazu, dass die Palästinensische Autonomiebehörde aus Protest jeglichen Kontakt mit Washington gekappt hat. Seitdem müssen die Palästinenser hilflos zusehen, wie über ihre Köpfe hinweg für sie entschieden wird.