Eine Woche nach dem Sturz der Regierung in Österreich hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Übergangsregierung vereidigt. Die bisherige Verfassungsrichterin Brigitte Bierlein wurde von Bundespräsident Alexander Van der Bellen zur Kanzlerin ernannt. Das Kabinett besteht aus sechs Frauen und sechs Männern – allesamt parteilos.

Zur Parität im neuen Kabinett sagte Van der Bellen: "Da kann niemand mehr sagen, das geht leider nicht." Kanzlerin Bierlein kommentierte die Aufstellung nicht, rief aber am Ende ihrer Rede die Jugend und vor allem die jungen Frauen in Österreich zu Engagement auf: "Unser Land, unsere Demokratie braucht sie alle, ihre gestalterische Kraft und ihren Glauben an Österreich. Ihr Engagement ist unersetzlich für das Wohl unserer Republik und ganz Europas."

Bierlein und ihre elf Ministerinnen und Minister bilden auch die erste Expertenregierung Österreichs, viele der neuen Ressortchefs waren zuletzt in leitenden Positionen in den jeweiligen Ministerien tätig. Neuer Vizekanzler und Justizminister ist der langjährige Präsident des Verwaltungsgerichtshofs, Clemens Jabloner, neuer Innenminister ist Wolfgang Peschorn, bisher oberster Rechtsvertreter des Staates. Zum Außen- und Europaminister wurde Alexander Schallenberg benannt, der bisher die Europaabteilung im Wiener Kanzleramt leitete und ein enger Vertrauter des abgesetzten Kanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) ist.

Als umstritten gilt jedoch der neue Verkehrsminister Andreas Reichhardt. Er ist Mitglied einer Burschenschaft und soll Recherchen von österreichischen Medien zufolge in seiner Jugend mit dem zurückgetretenen FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache an einer rechtsextremen Wehrsportübung teilgenommen haben. Das Übergangskabinett soll bis zur Bildung einer neuen Regierung nach der für September geplanten Parlamentswahl im Amt bleiben.

Kanzlerin spricht von Demut

Bierlein, die dem bürgerlichen Lager zugerechnet wird, sagte in ihrer ersten Rede, dass sie sich der großen Verantwortung des Amtes bewusst sei und dieses mit Demut annehme. Österreich sei ein Land mit "einem stabilen Rechtsstaat, einer hervorragenden Bundesverfassung, starken Institutionen und großartigen Beamten", so die Juristin.

Hintergrund der Regierungskrise in Österreich ist ein heimlich auf Ibiza gedrehtes Enthüllungsvideo, das zeigt, wie der inzwischen zurückgetretene Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vor der Parlamentswahl 2017 einer vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte im Gegenzug für Wahlkampfhilfe Staatsaufträge in Aussicht stellt. Daraufhin platzte die Koalition zwischen konservativer ÖVP und rechtspopulistischer FPÖ.

Als Reaktion auf das Video hatte das Parlament in Wien vor einer Woche die gesamte Regierung per Misstrauensvotum gestürzt. Einen Tag später wurde das Kabinett vom Präsidenten formell abgesetzt.