Dänemark steht nach der Parlamentswahl vor einem Regierungswechsel. Die Sozialdemokraten sind bei der Parlamentswahl in Dänemark stärkste Kraft geworden. Die Partei um ihre Vorsitzende Mette Frederiksen kam bei der Wahl vorläufigen Zahlen der dänischen Statistikbehörde zufolge auf 25,9 Prozent. Die liberale Partei des bisherigen Ministerpräsidenten Lars Løkke Rasmussen erzielte nach Auszählung aller Wählerstimmen 23,4 Prozent. Großer Verlierer war die rechtspopulistische Dänische Volkspartei: Sie stürzte auf 8,7 Prozent ab – nach 21,1 Prozent bei der Parlamentswahl 2015.  

Gemeinsam mit Parteien des linken Lagers und von Mitte links erreichen die Sozialdemokraten nun demnach eine Mehrheit von 91 der 179 Sitze im Parlament in Kopenhagen. Auf Løkkes bürgerlich-liberalen blauen Block entfallen 75 Mandate. Die Wahlbeteiligung lag mit 84,5 Prozent leicht unter dem Wert von 85,9 Prozent im Jahr 2015.

Frederiksen hatte im Wahlkampf versprochen, nach Jahren der Sparprogramme die Sozialausgaben wieder zu erhöhen. Zugleich steht die 41-Jährige für eine harte Asylpolitik. Die dänischen Sozialdemokraten setzten vor der Wahl auf eine strikte Begrenzung von Migration und eine staatlich verordnete Integration.

Ministerpräsident Løkke Rasmussen räumte in der Nacht seine Niederlage ein und kündigte seinen Rücktritt an. "Wir hatten eine fantastische Wahl, aber die Macht wechselt", sagte Løkke vor Parteianhängerinnen und -anhängern in Kopenhagen. Er sei jedoch bereit, eine Regierung der politischen Mitte unter seiner Führung zu bilden.

Frederiksen werde wohl eine Mehrheit an Mandaten hinter sich haben, sagte Rasmussen. Sie müsse deshalb die Chance erhalten, eine Regierung zu bilden. "Ich glaube nicht, dass das einfach für sie wird", sagte er. 

Einwanderung und Klimaschutz

Bereits im Wahlkampf hatte sich die Wechselstimmung angekündigt, Umfragen hatten die Sozialdemokraten seit Wochen deutlich vorn gesehen. Angesichts seines Umfragerückstandes hatte Løkke unmittelbar vor der Wahl die Idee aufgebracht, eine Regierungskoalition der Mitte – und damit über die traditionellen Bündnisblöcke hinweg – zu bilden.

Frederiksen, die die jüngste Regierungschefin in der Geschichte Dänemarks werden könnte, wies diese Möglichkeit am Wahltag zurück. Sie strebt eine Minderheitsregierung an, die bei den meisten Themen mit dem linksgerichteten Lager, dem sogenannten roten Block, zusammenarbeitet. Bei der Einwanderung, bei der die Sozialdemokraten eine striktere Linie verfolgen und über ein neues Asylsystem nachdenken, hofft Frederiksen auf Unterstützung aus dem bürgerlich-liberalen Lager.