Bei gewaltsamen Aktionen gegen Demonstrierende in der sudanesischen Hauptstadt Khartum sind nach Angaben von Ärzten inzwischen mehr als 30 Menschen getötet worden. Die Allianz für Freiheit und Wandel, in der die Protestbewegungen zusammengeschlossen sind, hatte zunächst von 13 Toten berichtet. Die größte Gruppe der Regierungsgegner sprach von einem Massaker und warf dem regierenden Militärrat vor, er versuche, das Protestcamp vor dem Verteidigungsministerium aufzulösen. Der Militärrat selbst teilte mit, die Sicherheitskräfte seien lediglich gegen Kriminelle in der Nähe des Lagers vorgegangen. Die sudanesische Opposition setzte die Verhandlungen mit dem Militärrat als Reaktion auf die Gewalt aus.

Das Camp vor dem Verteidigungsministerium ist der Kristallisationspunkt der Proteste gegen die Regierung. Seit Beginn der Demonstrationen im Dezember harren dort Tausende junge Männer und Frauen aus. Der Militärrat und die Demonstranten verhandelten bis zuletzt darüber, wer das Land in der Übergangszeit nach dem Sturz von Präsident Omar al-Baschir regieren soll. Der Militärrat beansprucht dieses Recht für sich, die Demonstranten dagegen verlangen, eine zivile Regierung müsse den Sudan in die Demokratie führen.

Die Allianz für Freiheit und Wandel rief zu landesweiten Demonstrationen gegen das Vorgehen der Armee auf. Der politische Kontakt und die Gespräche mit der Militärregierung seien vollständig abgebrochen worden, erklärte das Oppositionsbündnis. Der Berufsverband SPA, der die Proteste angeführt hatte, rief zu "totalem zivilen Ungehorsam" auf. Die führende Oppositionspartei Umma forderte Menschen auf, andere Sitzblockaden landesweit einzurichten. Die Razzia des Militärs zeige, dass es "die sudanesische Revolution" behindere. Der Militärrat hatte die Protestkundgebungen als "Gefahr für die Sicherheit und den öffentlichen Frieden" bezeichnet. Ein Sprecher des Rats bestritt, dass man versucht habe, die Sitzblockade gewaltsam aufzulösen.

Bundesregierung verurteilt die Gewalt

Bilder des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira zeigten, wie etliche Menschen durch die Straßen liefen und in Deckung gingen. Einige Menschen zündeten Reifen an, Rauchschwaden waren über den Häuserdächern zu sehen. Die Bilder kamen Al-Dschasira zufolge von Aktivistinnen und Augenzeugen, da der Sender selbst seit vergangener Woche nicht mehr aus dem Sudan berichten darf. Einige Videos zeigten auch, wie Sicherheitskräfte auf Demonstrierende einschlugen.

Die Bundesregierung verurteilte das gewaltsame Vorgehen gegen das Protestlager. "Diese Gewalt ist nicht zu rechtfertigen und muss sofort aufhören", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die gewaltsame Räumung des Protestgeländes gefährde in erheblichem Maße den Prozess der Übergabe der Regierungsgewalt an eine zivil geführte Regierung.

Die US-Botschaft im Sudan machte den militärischen Übergangsrat für die Gewalt verantwortlich und forderte ein Ende der Gewalt. Auch der britische Botschafter Irfan Siddiq zeigte sich "extrem besorgt" über die zu hörenden Schüsse und die Berichte, dass Sicherheitskräfte Demonstranten angreifen würden.