Die Türkei hat das russische Raketenabwehrsystems S-400 nach Angaben von Präsident Recep Tayyip Erdoğan bereits gekauft. "Es ist ein abgeschlossener Deal", sagte Erdoğan am Mittwochabend bei einer Veranstaltung seiner AKP-Partei in Ankara. "Ich sage nicht, dass die Türkei das S-400-System kaufen will, sondern wir haben es bereits gekauft."

Der mit Russland vereinbarte Kauf des S-400-Raketenabwehrsystems ist innerhalb der Nato umstritten. Vor allem die USA hatten Kritik an dem Vorhaben geäußert. Die US-Regierung argumentiert, dass Russland über die in der Türkei installierten Raketen an Daten über die Fähigkeiten der neuen F-35-Tarnkappenflugzeuge gelangen könnte.

Vergangene Woche hatte das US-Verteidigungsministerium der Türkei eine Frist bis Ende Juli gesetzt, um auf den Kauf der Flugabwehrraketen zu verzichten. Im Falle eines Festhaltens an dem Waffendeal wollen die USA die Türkei dauerhaft vom gemeinsamen F-35-Kampfjetprogramm der USA ausschließen. Über die geplanten Maßnahmen hatte der geschäftsführende US-Verteidigungsministers Patrick Shanahan seinen türkischen Kollegen Hulusi Akar am Freitag in einem Schreiben informiert.

Darauf hatte der türkische Verteidigungsminister mit Unverständnis reagiert. Zwar drücke der Brief die Erwartung aus, eine Lösung zu finden. Jedoch entspreche "der Ton nicht dem Geist des Bündnisses", sagte Akar am Mittwoch während eines Besuchs in Aserbaidschan. Die Türkei werde in den kommenden Tagen eine Antwort vorbereiten.

Akar kündigte außerdem an, mit Shanahan bei einem Treffen der Nato-Verteidigungsminister Ende Juni in Brüssel zusammenzukommen. Zudem würden die beiden am Donnerstag miteinander telefonieren.

Sollten die USA das gemeinsame Ausbildungsprogramm aussetzen, müsste das türkische Personal im gemeinsamen F-35-Projektbüro bis Ende Juli ausreisen. Auch von der weiteren Teilnahme am runden Tisch der F-35-Programmpartner würde die Türkei ausgeschlossen werden. Außerdem soll sie keine neuen Fertigungsaufträge im F-35-Programm sowie Materiallieferungen mehr erhalten.