Kurz vor Donald Trumps Staatsbesuch in England am Montag hat der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan den US-Präsidenten ungewöhnlich hart kritisiert. In einem Beitrag für die britische Tageszeitung Guardian schrieb Khan: Die Sprache, mit der Trump seine Anhänger mobilisiere, erinnere an jene "der Faschisten im 20. Jahrhundert". Der Republikaner sei  "ein ungeheuerliches Beispiel für die wachsende globale Bedrohung durch rechtsextreme Tendenzen". Die in den letzten 70 Jahren "hart erkämpften bürgerlichen Rechte und Freiheiten sowie die Werte der demokratischen Gesellschaft" seien bedroht.

Khan verglich Trump mit rechten Populisten wie Viktor Orbán in Ungarn, dem Italiener Matteo Salvini und Marine Le Pen in Frankreich. Auch deren Wortwahl erinnere laut dem Londoner Bürgermeister an jene der faschistischen Propaganda, nur nutzten sie neue "bösartige Methoden", um ihr Publikum zu erreichen. Populisten wie Trump oder Salvini hätten weiße Suprematisten erst salonfähig gemacht, Schutzsuchende an der Grenze abgewiesen und machten Wahlkampf mit Fremdenfeindlichkeit.

Es sei überdies "unbritisch", einem Politiker beim Staatsbesuch den "roten Teppich" auszurollen, der sich entgegen der internationalen Gepflogenheit in die Innenpolitik einmische. In einem Interview mit der britischen Boulevardzeitung The Sun hatte Trump sich unter anderem für Boris Johnson als künftigen Premierminister ausgesprochen, den Brexit gelobt und die Herzogin von Sussex Meghan Markle als "bösartig" bezeichnet. 

Zum Tee bei den Royals

Der Sunday Times sagte Trump, Großbritannien solle bei den Brexit-Verhandlungen mit der EU konfrontativer auftreten und die ausstehenden Verbindlichkeiten von etwa 44 Milliarden Euro einfach nicht begleichen. Der Vorsitzende der Brexit Party, Nigel Farage, solle mit am Verhandlungstisch sitzen.

Während des dreitägigen Staatsbesuchs von Trump wird es ein Bankett im Buckingham-Palast geben. Am Montagnachmittag sind Prinz Charles und seine Frau Camilla Gastgeber eines Treffens zum Tee für Trump und dessen Frau Melania. Am Dienstag wird Theresa May den US-Präsidenten empfangen.

Zwischen dem US-Präsidenten und dem Londoner Bürgermeister Khan gab es bereits in der Vergangenheit Spannungen. Im Mai 2016 hatte Trump Khan einen IQ-Test vorgeschlagen, nachdem dieser Trumps Verhältnis zum Islam als "ignorant" bezeichnet hatte. Nach den Terroranschlägen von London im Jahr 2017 sagte Trump zudem, Khan würde einen "schlechten Job gegen Terrorismus" machen. Khan antwortete damals, der Republikaner würde "die Angst der Londoner instrumentalisieren".