Im April war der langjährige Machthaber Omar al-Baschir als Präsident Sudans abgesetzt worden. Nun soll die Staatsanwaltschaft offizielle Ermittlungen gegen den 75-Jährigen eingeleitet haben. Das berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Suna. Es gehe es um den Vorwurf der Korruption.

Dem abgesetztem Staatschef werde vorgeworfen, in Besitz ausländischen Geldes zu sein und illegal Vermögen angehäuft zu haben. Auch die Anordnung des Ausnahmezustandes lasten die Behörden al-Baschir an.

In dem Anwesen Baschirs war nach seinem Sturz laut Militär Bargeld in Höhe von mehr als 113 Millionen Dollar (100 Millionen Euro) in drei verschiedenen Währungen sichergestellt worden. Die Sicherheitskräfte entdeckten demnach bei einer Durchsuchung sieben Millionen Euro, 350.000 Dollar und fünf Milliarden sudanesische Pfund. Im Mai war er bereits der "Anstiftung zur und Beteiligung an der Ermordung von Demonstranten" beschuldigt worden.

Eine Militärregierung hatte im April die Führung des Landes in Nordostafrika übernommen. Nach dem Sturz al-Baschirs waren immer wieder Tausende Menschen auf die Straße gegangen und hatten eine Zivilregierung gefordert.

In der vergangenen Woche war die Armee gewaltsam gegen diese Protestbewegung vorgegangen und hatte in der Hauptstadt Khartum Straßenblockaden räumen lassen. Nach Angaben des Zentralkomitees sudanesischer Ärzte wurden dabei mehr als 100 Menschen getötet. Das Gesundheitsministerium hatte eine Zahl von 61 Toten landesweit vermeldet. Der Weltsicherheitsrat hatte das Vorgehen des Militärs gegen die Zivilisten entschieden kritisiert.

Eine grundsätzliche Einigung hatten die Demonstranten und die Armee bereits Mitte Mai gefunden: Demnach soll ein gemeinsamer Übergangsrat die Regierungsaufgaben in den kommenden drei Jahren übernehmen. Unklar ist bislang, welche Seite dieses Gremium anführen soll.

In viele Provinzen herrscht Bürgerkrieg

Nord- und Südsudan sind seit 2011 geteilt. Im Norden des Sudans, darunter der Hauptstadt Khartum, herrscht seitdem Wirtschaftskrise, denn drei Viertel der Ölquellen gingen dem Norden durch die Teilung verloren. Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung auf mehr als 40 Millionen Menschen. In sieben von 18 Provinzen im Sudan ist Bürgerkrieg.

2009 hatte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen Omar al-Baschir erlassen – der erste gegen einen amtierenden Staatschef. Im Konflikt um die Region Darfur waren dem sudanesischen Präsidenten Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen worden. 2014 stellte das Strafgericht das Verfahren zeitweilig ein.