Cornelius Adebahr ist selbstständiger Politikberater und Analyst in Berlin, wo er zu europäischen und globalen Fragestellungen arbeitet und den Bürgerdialog über Außenpolitik fördert. Er ist seit Anfang 2006 am Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik tätig. Von 2011 bis 2013 hat Adebahr mit seiner Familie in Teheran gelebt, das er nun wieder besuchte, wie schon so oft.

Veränderungen, auch kleinste Neuerungen sind das, wonach man bei jeder Reise nach Teheran intuitiv als Erstes sucht. Das Land steht durch die neuen US-Sanktionen unter großem Druck, der auf der gesamten Bevölkerung lastet. Die Regierung bezichtigt den Westen, an der Misere schuld zu sein. Der Iran verschließt sich. Als ich in diesem Frühjahr Teheran besuche, ist knapp ein Jahr seit meinem letzten Besuch vergangen. Ich frage mich, was in der Zwischenzeit geschehen ist und was nicht.

Vor allem sind die beiden "alten Männer" noch da. Mit scharfem Blick wachen Revolutionsführer Ruhollah Chomeini und sein Nachfolger, Ali Chamenei, aus gerahmten Bildern über fast jeden öffentlichen Ort, bei der Passkontrolle und in der Ankunftshalle ebenso wie von Plakaten oder Wandgemälden an den Straßen. Sie signalisieren Bürgern und Besuchern gleichermaßen die Langlebigkeit der Islamischen Republik: Wer 1979 glaubte, die Islamische Revolution sei nur von kurzer Dauer oder das neue Regime werde während des achtjährigen Krieges mit dem Irak zusammenbrechen, der wurde bald eines Besseren belehrt.

Das Internationale ist verschwunden

Tatsächlich besteht die Islamische Republik nun schon fast länger als die DDR. Letztere begann nur einen Monat nach ihrem 40-jährigen Jubiläum im Herbst 1989 zu zerfallen; die Islamische Republik konnte den entsprechenden Festtag im Februar dieses Jahres begehen und zeigt allem inneren Niedergang zum Trotz keine Anzeichen einer bevorstehenden grundlegenden Veränderung. Die Taxis mögen heruntergekommen sein, die Beleuchtung auf der Autobahn unregelmäßig und gedämpft, aber die Mautstation an der Stadtgrenze kurz vor dem Imam-Chomeini-Schrein funkelt in leuchtenden Farben, mit Girlanden und Lampions, Blumen und Dekorationen. Je schlimmer die Zeiten, desto bunter die Straßen, um die Menschen abzulenken, hatte ein Bekannter bei meiner letzten Iranreise treffend bemerkt. 

In Teheran kommt man wegen der Flugverbindungen aus Europa meist mitten in der Nacht an. Die Taxifahrt in die Innenstadt dauert fast eine Stunde, auch zu dieser Uhrzeit. Langsam tauchen die Lichter der Stadt im Dunst auf. Teheran, das sich an die Hänge des Elbursgebirges schmiegt, schläft nicht, es ruht sich nachts nur etwas aus. Hier sind die Autobahnbrücken mit Dutzenden Nationalflaggen geschmückt, darunter hängen Leuchtketten in rot-weiß-grüner Trikolore. In der Ferne erhebt sich Teherans ikonischer Milad-Fernsehturm wie ein Dorn am Nachthimmel.

In der Innenstadt fällt mir plötzlich noch etwas auf, das sich nicht geändert hat: Die Autos um mich herum sind immer noch die gleichen wie zu Beginn des Jahrzehnts, als ich für zwei Jahre in dieser Stadt lebte. Peugeots und Paykans, das iranische Nationalauto des Herstellers Iran Khodro, dominieren die Straßen, dazwischen gelegentlich ein Hyundai. Offensichtlich konnten die Menschen in den vergangenen Jahren nicht viel in ihre Autos investieren, während sich Unternehmen wie Daimler, Renault und Volkswagen nach nur kurzer Euphorie dem Druck der USA beugten und den Iran wieder verließen. Auch die vielen Reklametafeln für heimische statt – wie früher – für ausländische Produkte spiegeln den Rückgang der lokalen Kaufkraft ebenso wie den Rückzug internationaler Unternehmen wider.

Die Hardliner kämen zurück

Einer meiner politischen Gesprächspartner vergleicht das gegenwärtige Dilemma mit der Situation von 2004. Damals hatten Deutschland, Frankreich und Großbritannien ihre Verhandlungen mit dem Iran über sein zuvor aufgedecktes Nuklearprogramm gerade erst begonnen, während die USA diese Gespräche mit unerfüllbaren Forderungen torpedierten. Ein Jahr später folgte mit Mahmud Ahmadinedschad ein konservativer Populist auf den "Reformpräsidenten" Mohammed Chatami, und es dauerte bis zum Antritt des aktuellen Amtsinhabers Hassan Ruhani im Jahr 2013, bis sich die Wogen wieder glätteten.

Sollte die EU heute also nicht das Atomabkommen am Leben erhalten können, so die gedankliche Parallele, könnten bei den nächsten Wahlen im Iran die Hardliner zurückkehren. Dies würde eine weitere Annäherung auf absehbare Zeit unmöglich machen. Schlimmer noch, eine militärische Konfrontation mit den Vereinigten Staaten, wie sie die Europäer 2003 mit der Aufnahme von Gesprächen über das Atomprogramm noch verhindern konnten, wäre damit fast schon eine Gewissheit.