Zwei Monate nach der Anschlagsserie auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka hat Präsident Maithripala Sirisena den Ausnahmezustand per Dekret um einen Monat verlängert. Sirisena begründete dies mit dem immer noch herrschenden "öffentlichen Notstand". Eigentlich hätte der seit Ostermontag geltende Ausnahmezustand am Samstag auslaufen sollen. Ende Mai hatte Sirisena noch angekündigt, ihn nicht zu verlängern, weil die Sicherheitslage in Sri Lanka wieder "zu 99 Prozent normal" gewesen sei. Der Ausnahmezustand gibt der Polizei weitreichende Sondervollmachten. Sie kann unter anderem Ausgangssperren verhängen und soziale Medien blockieren.

Bei einer Anschlagsserie auf Kirchen und Luxushotels waren am 21. April mehr als 250 Menschen getötet und fast 500 weitere verletzt worden. Sri Lankas Regierung macht die lokale Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ) für die Anschläge verantwortlich. Zugleich geht sie davon aus, dass die Terroristen aus dem Ausland unterstützt wurden. Auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte die Anschläge für sich reklamiert.

Die Behörden befürchten, dass einige der Attentäter immer noch nicht gefasst sein könnten. Seit den Anschlägen hatte es bereits mehr als 100 Festnahmen von Verdächtigen gegeben. Laut der internationalen Polizeiorganisation Interpol waren außerdem in der vergangenen Woche fünf weitere Verdächtige im Nahen Osten festgenommen und an Sri Lanka ausgeliefert worden.

Kritik an sri-lankischer Regierung

Zuletzt hatte der Erzbischof von Colombo, Kardinal Malcolm, ein schwindendes öffentliches Interesse an den Bombenanschlägen beklagt. Bei einem Besuch in Rom am vergangenen Donnerstag kritisierte Malcolm, dass Anhörungen einer Untersuchungskommission nicht mehr im Fernsehen übertragen würden. Zudem würden sich Vertreter von Behörden und Parteien in Schuldzuweisungen ergehen, wer Hinweise auf Anschläge vernachlässigt habe.

Zudem äußerte der Erzbischof Kritik an den sri-lankischen Sicherheitsbehörden. Demnach habe es in den Wochen vor den Angriffen mehrfach Informationen des indischen Geheimdienstes zu möglichen Attacken von Extremisten gegeben, die aus Syrien zurückkämen. Noch um 6.45 Uhr am Morgen des Ostersonntags sei eine Warnung eingegangen.

Nach den Anschlägen war es in dem mehrheitlich buddhistisch geprägten Land zudem wiederholt zu gewaltsamen Protesten gegen Muslime gekommen. In zahlreichen Städten hatten Randalierende Geschäfte und Moscheen attackiert. Nach Angriffen durch einen gewaltsamen Mob war ein Muslim getötet worden. Etwa zehn Prozent der 21 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner von Sri Lanka sind Muslime, etwa 7,6 Prozent sind Christen. Die Mehrheit ist buddhistisch.