Der britische Ex-Außenminister Boris Johnson und der aktuelle Außenminister Jeremy Hunt gehen in die Stichwahl um den Tory-Vorsitz und damit die Nachfolge von Premierministerin Theresa May. Beim fünften und letzten Wahlgang der konservativen Parlamentsfraktion erzielte Johnson 160 Stimmen, Hunt 77. Umweltminister Michael Gove schied mit 75 Stimmen aus.

Wer neuer Parteichef und damit Premierminister wird, sollen nun die 160.000 Tory-Parteimitglieder bis Ende Juli per Urwahl entscheiden. Zuvor sollen sich die Kandidaten bei etwa 15 regionalen Konferenzen den Tory-Mitgliedern vorstellen.

Johnson auch an der Basis beliebt

Boris Johnson lag in allen bisherigen Abstimmungen deutlich vorn. Umfragen zufolge ist er auch an der Basis beliebt. Dem früheren Außenminister wird zugetraut, Brexit-Wähler, die sich von den Konservativen abgewendet haben, wieder zurückzugewinnen. Vor der Volksabstimmung im Jahr 2016 war er einer der Wortführer für den Brexit.

Theresa May war Anfang Juni als Tory-Vorsitzende offiziell zurückgetreten. Sie hatte es nicht geschafft, im britischen Parlament eine Mehrheit für ihr mit der EU ausgehandeltes Brexit-Abkommen zu organisieren. Bis ein Nachfolger gewählt ist, bleibt sie aber als Premierministerin kommissarisch im Amt.

Der EU-Austritt Großbritanniens erfolgt nach aktuellem Stand am 31. Oktober. Bislang ist unklar, wie ein neuer Premier eine Lösung für den Brexit finden könnte. Johnson will das Abkommen mit der EU nachverhandeln, was die EU strikt ablehnt. Er hat sich darauf festgelegt, den Brexit notfalls auch ohne Abkommen mit der EU zu vollziehen.

Hunt zieht hingegen in Erwägung, den EU-Austritt erneut zu vertagen. Er hatte beim Brexit-Referendum vor drei Jahren gegen den EU-Austritt gestimmt, dann aber seine Meinung geändert.