Ein Flüchtlingsboot mit 75 Menschen an Bord wartet seit zehn Tagen darauf, in einem Hafen in Tunesien anlegen zu dürfen. Man sei weiter in Gesprächen mit dem zuständigen Gouverneur und den Botschaften der Herkunftsländer, sagte Mongi Slim vom tunesischen Roten Halbmond.

Die tunesischen Behörden verweigern dem Schiff der ägyptischen Maridive Gruppe seit Ende Mai die Einfahrt in den Hafen von Zarzis in Südtunesien. Die Crew hatte die Migranten in internationalen Gewässern vor dem Ertrinken gerettet.

Nach Angaben des Tunesischen Forums für ökonomische und soziale Rechte (FTDES) stammt der Großteil der Migranten aus Bangladesch. Zudem seien neun Ägypter, ein Marokkaner und ein Sudanese darunter. Bei 32 Migranten handele es sich um Minderjährige. Wie Ramadan Ben Omar vom FTDES sagte, hatten die Flüchtlinge darauf gehofft, nach ihrer Rettung nach Europa gebracht zu werden. Zuletzt kam es immer wieder bei der Verteilung von aus Seenot geretteten Migrantinnen und Migranten zu Streitigkeiten zwischen Tunesien, Italien und Malta.

Nach UN-Angaben kamen in diesem Jahr bereits 543 Menschen bei dem Versuch ums Leben, illegal mit dem Boot von Nordafrika Richtung Europa zu gelangen. Die Zahl der Ankünfte ist in diesem Jahr deutlich niedriger als ein Jahr zuvor. Zwischen Januar und Juni 2018 waren noch mehr als 45.500 Ankünfte registriert worden, in diesem Jahr waren es bislang 23.000.