Die Evolution des Trumpschen Wahlkampfslogans "Make America Great Again" lässt eigentlich nur einen logischen Nachfolgespruch zu. Donald Trump hat Amerika – zumindest seiner Meinung nach – wieder groß gemacht. Nun muss das Erreichte bewahrt werden. Deshalb lautet der neue Slogan für Trumps Wiederwahlkampagne: "Keep America Great", also "Amerika soll großartig bleiben".

Blau auf weiß steht der Slogan auf riesigen LED-Wänden in der Mehrzweckarena in Orlando in Florida geschrieben. Der US-Präsident gibt hier am Dienstagabend offiziell seine erneute Kandidatur für das höchste Amt bekannt. 20.000 Menschen sind gekommen, um ihn dabei zu unterstützen. Einige Anhängerinnen und Anhänger hatten schon am Montag vor der Halle gezeltet, um die besten Plätze vor dem Podium zu ergattern. Trump hatte im Vorfeld angegeben, es habe mehr als 100.000 Ticketanfragen gegeben. Der US-Präsident will offenbar beweisen, dass er seine Anhänger noch immer mobilisieren kann. Der Kampagnenauftakt 17 Monate vor Wahl soll pompös wirken und Trump wieder in den Mittelpunkt der Berichterstattung rücken. Denn viele Medien haben in den vergangenen Wochen verstärkt über die Bewerber der Demokraten berichtet, Trump hat darüber sein Missfallen bekundet. Kurz bevor die Demokraten im nur wenige Hundert Kilometer entfernten Miami in der kommenden Woche die erste TV-Debatte der Präsidentschaftsbewerber abhalten, will Trump in dem wichtigen Swing State noch einmal Präsenz zeigen.

Um kurz nach 20 Uhr kommt der Präsident dann – angekündigt von seinem Stellvertreter Mike Pence – auf die Bühne. Doch Trump scheint fast vergessen zu haben, was der Anlass der Veranstaltung war. Den größten Teil seiner Rede spult er lediglich sein übliches Programm ab.

Wie grandios sein Wahlsieg und wie unberechtigt die Mueller-Ermittlungen waren, und dass die Mauer an der Grenze zu Mexiko Gestalt annehme. Dass die Demokraten "das Land zerstören wollen" und das er das nicht zulassen werde. Wer Trumps Reden häufiger verfolgt, erkennt die Versatzstücke wieder. Sogar die Playlist mit Liedern von den Rolling Stones, Tina Turner und Neil Young ist bei seinen Auftritten fast immer gleich.

Was hat Trump vor?

Wer an diesem Abend etwas Neues hören wollte, muss sich also gedulden. Die große Ankündigung folgt erst nach etwa vierzig Minuten: "Ich stehe heute vor euch, um offiziell die Kampagne für meine zweite Amtszeit zu beginnen", ruft Trump unter tosendem Applaus.

Doch wer vermutet, dass der Amtsinhaber mit dem offiziellen Beginn seiner Wiederwahlkampagne ein neues Kapitel in seiner Präsidentschaft einläuten würde, wird enttäuscht. Vieles wirkt an diesem Abend nicht nur bekannt sondern sogar rückwärtsgewandt. Die Zuschauenden tragen die gleichen roten Baseballmützen wie 2016, über die Stadionlautsprecher ertönten Ausschnitte aus Trumps ersten Rede als Kandidat vor vier Jahren und Soundschnipsel aus der Wahlnacht vor zweieinhalb Jahren, in der Trump überraschend zum Präsidenten gewählt wurde.

Doch was hat Trump noch vor in den "vier weiteren Jahren", die das Publikum auf Spruchschildern fordert? Klar wird das in diesem Abend nicht, weil Trump keine neuen Ideen verkündet.