TV-Duell - Jeremy Hunt und Boris Johnson streiten sich wegen des Brexits Die Anwärter auf das Premierministeramt sind sich bei der Umsetzung des Brexits uneinig. Boris Johnson will auch ohne Zustimmung des Parlaments aus der EU austreten. © Foto: Matt Frost/dpa

Boris Johnson ist undiszipliniert. Das war er auch am Dienstagabend im Fernsehduell mit seinem Widersacher, dem britischen Außenminister Jeremy Hunt. Johnson, der ehemalige Bürgermeister von London, und Hunt kämpfen beide um die Gunst von 160.000 Mitgliedern der Konservativen Partei. Die stimmen in diesen Tagen darüber ab, wer von beiden neuer Parteivorsitzender und damit neuer britischer Premierminister und Nachfolger von Theresa May wird. Am 23. Juli soll das Ergebnis der Abstimmung bekanntgegeben werden, zwei Tage vor der Sommerpause des britischen Parlaments.

Eigentlich war das Fernsehduell beim Sender ITV lange überfällig. Es hätte mehr bewirkt, hätte es früher stattgefunden. Das Rennen um den Posten des künftigen Premierministers läuft seit Wochen. Viele Parteimitglieder werden ihren Stimmzettel bereits abgeschickt haben. So war es fast egal, dass Hunt am Ende überzeugender wirkte als Johnson.

Das PR-Team von Johnson hatte den oft chaotisch wirkenden Politiker so lange vor öffentlichen Auftritten bewahrt wie möglich. Denn Johnson macht häufig keine gute Figur. So auch am Dienstag: Zu Beginn der Sendung, als beide Kandidaten ihr Eröffnungsstatement vom Teleprompter ablesen mussten, redete Johnson zu schnell. Wenigstens verhaspelte er sich nicht so, was er häufig tut. Dann rutscht er schnell in die Rolle eines Unterhaltungskünstlers, der eher auf Lacher aus ist, als sich auf die Sache zu konzentrieren.

Hunt wirkte erst weniger sympathisch. Er redete zu viel über sich und nicht wie Johnson darüber, wie wichtig es jetzt sei, den Brexit zu liefern und im Notfall den "Marxisten" Jeremy Corbyn zu besiegen.

Hauptsache Brexit

Es war klug, dass ITV darauf bestanden hatte, eine direkte Diskussion der beiden Kandidaten zuzulassen. Gut war auch, dass die Redezeit kurz bemessen war. Daher fiel es umso mehr auf, als Johnson im Verlauf der Sendung die Geduld verlor, aufbrausend drauflos wetterte und jene Disziplinlosigkeit durchschlug, die sein Team hatte vermeiden wollen. Hunt hatte ihm vorgehalten, dass er die Fragen einfach nicht beantwortete. "Das kann man vielleicht als Politiker machen – als Premierminister muss man aber Antworten parat haben."

Hauptthema der Debatte war natürlich der Brexit und der Irrglaube, dass die Konservative Partei offenbar nur gerettet werden kann, wenn der Brexit am 31. Oktober durchgezogen werde – egal wie. Es setzte ein grotesker Schlagabtausch zwischen Johnson und Hunt ein, ob es wirklich dieser Tag sei (Hunt: "Am nächsten Tag ist nämlich mein Geburtstag"), oder es noch Tage, Wochen – oder vielleicht bis Weihnachten – dauern werde.

Johnson zielte vor allem auf die Klientel in der Partei ab, die einfach nur hören will, dass Großbritannien aus der EU treten wird, egal wie das bewerkstelligt wird. Daher waren seine Argumente etwas ungereimt. Er will bis zum 31. Oktober mit der EU Folgendes verhandeln, "denn die wollen das Thema ja auch lösen": Der "so wahnsinnig schlechte" Austrittsvertrag von May und der EU soll auseinanderdividiert werden, etwas, was die EU strikt abgelehnt hat.