Großbritannien prüft Maßnahmen gegen Iran – Seite 1

Nach der Beschlagnahmung des Öltankers Stena Impero in der Straße von Hormus prüft die britische Regierung eine "Reihe von Optionen" gegen den Iran. Das sagte Verteidigungsstaatssekretär Tobias Ellwood dem Nachrichtender Sky News. Außenminister Jeremy Hunt kündigte an, am Montag bekannt zu geben, welche Maßnahmen London gegen Teheran ergreifen werde. Zugleich betonte er, dass Großbritannien eine Deeskalation der Lage anstrebe. Dies hätten auch die Beratungen des Krisenstabs im Laufe des Wochenendes gezeigt. Dennoch stehe fest, dass der Tanker unter Verletzung internationalen Rechts in den Gewässern des Oman gestoppt worden sei.

Militärische Aktionen hat Hunt bislang stets abgelehnt, aber er hatte im Schulterschluss mit den USA mit "ernsthaften Konsequenzen" gedroht. Enttäuscht zeigte sich der britische Außenminister über ein Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Mohammed Dschawad Sarif. "Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein", sagte Hunt nach dem Gespräch. 

Laut einem Bericht des Daily Telegraph erwägt die britische Regierung diplomatische und wirtschaftliche Sanktionen. Dazu gehöre das Einfrieren von Vermögen. Großbritannien könnte demnach darauf drängen, dass die Sanktionen der Vereinten Nationen und der Europäischen Union gegen den Iran erneut verhängt werden, die nach dem Atomabkommen aufgehoben wurden.

Iran veröffentlicht Video des Vorfalls

Der Iran hatte den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker Stena Impero am Freitag festgesetzt. Britische Medien veröffentlichten von dem Vorfall Audioaufnahmen. Die Iranischen Revolutionsgarden ihrerseits veröffentlichten ein Video, das die Beschlagnahmung  zeigen soll. Darauf ist zu sehen, wie mehrere kleinere Boote und ein Hubschrauber sich dem Tanker näherten. Aus dem Hubschrauber seilen sich maskierte Männer ab.

Die Regierung in London forderte britische Schiffe auf, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer zu meiden. Die Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Ein großer Teil des globalen Ölexports wird durch dieses Nadelöhr verschifft. 

Maas: "Es geht darum, Krieg zu verhindern"

Die Krise trifft Großbritannien in innenpolitisch turbulenten Zeiten angesichts des ungelösten Brexits und des Rücktritts der konservativen Regierungschefin Theresa May. Am kommenden Mittwoch könnte der in der eigenen Partei umstrittene frühere britische Außenminister Boris Johnson Mays Posten übernehmen. Für diesen Fall kündigten Justizminister David Gauke und Finanzminister Philip Hammond ihren Rücktritt an.

Der iranische Botschafter in Großbritannien, Hamid Baeidinedschad, schrieb auf Twitter, es gebe politische Kreise in London, die Spannungen jenseits des Tankerstreits wollten. Dies sei gefährlich und unklug. "Der Iran bleibt jedoch entschlossen und ist auf alle möglichen Szenarien vorbereitet."

Außenminister Heiko Maas warnte beide Seiten eindringlich vor einer Eskalation des Konflikts. "Es geht darum, Krieg zu verhindern", sagte Maas der Bild am Sonntag. Die Situation am Golf sei "noch ernster und gefährlicher geworden, als sie ohnehin schon war". Gerade in Teheran "muss man jetzt seiner Verantwortung gerecht werden und nicht weiter an der Eskalationsspirale drehen", sagte Maas. Die Bundesregierung forderte die Freigabe des Tankers und seiner Besatzung. Auch Frankreich kritisierte den Iran scharf.

Der Iran begründete die Beschlagnahmung des britischen Tankers damit, der Kapitän habe Vorschriften missachtet. Die schwedische Reederei Stena Bulk, der das Schiff gehört, widersprach: Der Tanker habe sich an alle Vorschriften gehalten. Auch die Führung in Teheran räumte bereits ein, dass der Vorfall eine Reaktion auf die Festsetzung eines iranischen Tankers durch die britische Marine vor Gibraltar am 4. Juli gewesen sei. Dieser Tanker stand im Verdacht, Öl nach Syrien zu liefern und damit gegen Sanktionen der USA und der EU zu verstoßen. "Die Revolutionsgarden haben auf die britische Entführung des iranischen Tankers reagiert", sagte Parlamentspräsident Ali Laridschani in einer im Fernsehen übertragenen Sitzung.

Die Spannungen in dem Konflikt haben sich verschärft, seitdem US-Präsident Donald Trump das Abkommen von 2015 im vergangenen Jahr einseitig aufgekündigt hat. Die übrigen Vertragsstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China und Russland wollen das Abkommen mit dem Iran erhalten. Trump hat neue Sanktionen verhängt, um das Land zu einem weiterreichenden Vertrag über dessen Atom- und Raketenprogramm zu zwingen.

Erst am Donnerstag hatte Trump erklärt, ein US-Marineschiff habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Die Führung in Teheran widersprach dem. Am Wochenende gab die US-Regierung bekannt, zur Abschreckung Soldaten nach Saudi-Arabien, dem Hauptgegner des Iran, zu verlegen. US-Medien zufolge geht es um bis zu 500 Soldaten. Zudem verlegte das US-Militär Aufklärungsflugzeuge, die im internationalen Luftraum operieren, in die Region.