Die Krise trifft Großbritannien in innenpolitisch turbulenten Zeiten angesichts des ungelösten Brexits und des Rücktritts der konservativen Regierungschefin Theresa May. Am kommenden Mittwoch könnte der in der eigenen Partei umstrittene frühere britische Außenminister Boris Johnson Mays Posten übernehmen. Für diesen Fall kündigten Justizminister David Gauke und Finanzminister Philip Hammond ihren Rücktritt an.

Der iranische Botschafter in Großbritannien, Hamid Baeidinedschad, schrieb auf Twitter, es gebe politische Kreise in London, die Spannungen jenseits des Tankerstreits wollten. Dies sei gefährlich und unklug. "Der Iran bleibt jedoch entschlossen und ist auf alle möglichen Szenarien vorbereitet."

Außenminister Heiko Maas warnte beide Seiten eindringlich vor einer Eskalation des Konflikts. "Es geht darum, Krieg zu verhindern", sagte Maas der Bild am Sonntag. Die Situation am Golf sei "noch ernster und gefährlicher geworden, als sie ohnehin schon war". Gerade in Teheran "muss man jetzt seiner Verantwortung gerecht werden und nicht weiter an der Eskalationsspirale drehen", sagte Maas. Die Bundesregierung forderte die Freigabe des Tankers und seiner Besatzung. Auch Frankreich kritisierte den Iran scharf.

Der Iran begründete die Beschlagnahmung des britischen Tankers damit, der Kapitän habe Vorschriften missachtet. Die schwedische Reederei Stena Bulk, der das Schiff gehört, widersprach: Der Tanker habe sich an alle Vorschriften gehalten. Auch die Führung in Teheran räumte bereits ein, dass der Vorfall eine Reaktion auf die Festsetzung eines iranischen Tankers durch die britische Marine vor Gibraltar am 4. Juli gewesen sei. Dieser Tanker stand im Verdacht, Öl nach Syrien zu liefern und damit gegen Sanktionen der USA und der EU zu verstoßen. "Die Revolutionsgarden haben auf die britische Entführung des iranischen Tankers reagiert", sagte Parlamentspräsident Ali Laridschani in einer im Fernsehen übertragenen Sitzung.

Die Spannungen in dem Konflikt haben sich verschärft, seitdem US-Präsident Donald Trump das Abkommen von 2015 im vergangenen Jahr einseitig aufgekündigt hat. Die übrigen Vertragsstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China und Russland wollen das Abkommen mit dem Iran erhalten. Trump hat neue Sanktionen verhängt, um das Land zu einem weiterreichenden Vertrag über dessen Atom- und Raketenprogramm zu zwingen.

Erst am Donnerstag hatte Trump erklärt, ein US-Marineschiff habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Die Führung in Teheran widersprach dem. Am Wochenende gab die US-Regierung bekannt, zur Abschreckung Soldaten nach Saudi-Arabien, dem Hauptgegner des Iran, zu verlegen. US-Medien zufolge geht es um bis zu 500 Soldaten. Zudem verlegte das US-Militär Aufklärungsflugzeuge, die im internationalen Luftraum operieren, in die Region.